Bei einer Informationsveranstaltung für Mieter:innen der Stresemannstraße 68–76 lernen die neu in Berlin Zugezogenen das deutsche Mietrecht kennen.

Foto: Sabine Mittermeier
„It’s your right!“ Zum Schluss ihres Vortrags über die Mietpreisbremse, den Olivia Grote frei und in flüssigem Englisch gehalten hat, erinnert die Rechtsanwältin ihr Publikum noch einmal an ihre Kernbotschaft.
Vor allem Neu-Berliner:innen haben an diesem Sommertag den Weg in den Versammlungsraum der Kreuzberger St.‑Lukaskirche gefunden. Sie wohnen ganz in der Nähe, gegenüber dem Anhalter Bahnhof, im Excelsiorhaus der Berggruen Holdings. Und zahlen, wie ihr Nachbar Max* herausfand, teilweise exorbitant hohe Mieten.
Der Berliner Mieterverein hat die Hausverwaltung des Gebäudekomplexes mit über 500 Wohneinheiten bereits aufgefordert, sich an die Mietpreisbremse zu halten – sein Schreiben an die Bellatris Real Estate GmbH & Co. KG blieb bis heute allerdings unbeantwortet. Auf Nachfrage des MieterMagazins sagte Katharina Neubauer, Geschäftsführerin der Verwaltungsfirma Bellatris, das Schreiben sei ihr unbekannt, der Mieterverein könne es aber gern noch einmal schicken.
Unterstützt von Mitgliedern der Linken, waren Max und seine Mitstreiter:innen von Tür zu Tür gegangen und warben für die heutige Veranstaltung, die nun an mehreren Info-Tischen in ihre zweite Phase geht: Wer will, kann prüfen, ob er oder sie zu viel Miete zahlt, und auch gleich eine ordentlich formulierte Rüge aufsetzen lassen. Dieses Angebot nutzen viele.
Am Ende des Abends stehen die Nachbar:innen noch beieinander. Das Ehepaar S., das 1500 Euro Miete überweist, hat erfahren, dass die korrekte Miete 900 Euro betragen würde. Eine Auszubildende könnte ihre Miete für eine kleine Wohnung halbieren, wenn sie sich wehrt. Wird sie es tun? „Ich denke schon“, sagt sie. Olivia Grote, die auch für den Berliner Mieterverein im Einsatz ist, berichtet ein paar Tage später von ihren Erfahrungen mit Berliner Mieter:innen aus dem Ausland: „Manche erzählen, sie zahlten nur 20 Euro pro Quadratmeter, während Arbeitskollegen bei 25 Euro lägen. Wenn ich denen sage, dass sie eigentlich nur 10 Euro bezahlen müssten, fallen sie aus allen Wolken.“
Carola Rönneburg
* Name geändert
22.09.2026




