Über Jahrzehnte stieg die durchschnittliche Wohnfläche in Deutschland immer weiter an. Nun sinkt sie erstmals – aus demografischen und finanziellen Gründen.

Illustration: Julia Gandras
Seit 1965 ist die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland um mehr als ein Drittel angewachsen – von 69 auf 94 Quadratmeter. Kamen damals noch 2,7 Bewohner:innen auf 4 Zimmer, waren es 2024 zwei Bewohner:innen auf 4,4 Zimmer. Parallel hat sich auch die durchschnittliche Pro-Kopf-Wohnfläche stark vergrößert – von 18,4 Quadratmetern Mitte der 1950er Jahre auf 49,2 Quadratmeter 2024. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) in ihrem Wochenbericht veröffentlicht. Auch die durchschnittliche Größe neu gebauter Wohnungen stieg in den letzten Jahrzehnten immer weiter an – bis 2005 der Höchststand erreicht war. Seitdem werden Neubauwohnungen wieder kleiner.
Die DIW-Expert:innen rechnen damit, dass sich das perspektivisch auch auf die durchschnittliche Wohnungsgröße im Bestand auswirken wird und diese bis zum Jahr 2050 um etwa 6 Quadratmeter kleiner wird – von 94 Quadratmetern im Jahr 2024 auf 88,5 Quadratmeter. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Zunahme an Einpersonenhaushalten. Im Jahr 1961 lebten 21 Prozent der Bevölkerung allein – 2025 waren es bereits 41 Prozent, in Großstädten wie Berlin sogar mehr als die Hälfte. Neben der veränderten Demografie spielen auch finanzielle Gründe eine große Rolle. Über Jahrzehnte sorgten steigende Gehälter und der Wunsch nach mehr Komfort für eine hohe Nachfrage nach größeren Wohnungen. Heute können sich viele Menschen große Wohnungen nicht mehr leisten. Auch für Bauträger sind kleinere Wohnungen wirtschaftlich attraktiver.
„Der Rückgang der Neubaugrößen signalisiert einen strukturellen Wandel auf dem gesamten Wohnungsmarkt“, sagt DIW-Immobilienexperte Konstantin Kholodilin. Aus DIW-Sicht müssten mehr kleinere Wohnungen gebaut oder bestehende Wohnungen umgebaut werden, um der veränderten Nachfrage gerecht zu werden. Die Entwicklung in Deutschland verläuft analog zu der in vielen anderen Industrienationen wie Belgien, Norwegen oder Japan, wo die Neubaugrößen teils schon seit der Jahrtausendwende zurückgehen.
Katharina Buri
www.statistik-berlin-brandenburg.de/186-2025
22.06.2026




