Seit über zwei Jahren kämpft Carmen Olivar für ihr Recht auf eine mängelfreie Wohnung. Aufgrund ihrer Behinderung ist die Situation besonders belastend für sie. Vermieterin ist nicht etwa ein Miethai, sondern die städtische Wohnungsbaugesellschaft Degewo.

Foto: Sabine Mittermeier
Die Liste der Mängel in der Swinemünder Straße 54 ist lang. Der Balkonabfluss ist verstopft, so dass bei Starkregen Wasser in die Wohnung läuft. Der elektrische Türöffner funktioniert seit über einem Jahr nicht, und der Fahrstuhl fällt immer mal wieder aus – und das bei vier Rollstuhlwohnungen im Haus.
Für die Betroffenen bedeutet das abgesagte Arzttermine und Isolation. Im Sommer vorletzten Jahres war der mitvermietete Kühlschrank in Carmen Olivars Wohnung vier Monate lang kaputt: „Ich wusste nicht, wo ich meine Medikamente lagern soll“, sagt die Mieterin. Erst nach langem Hin und Her wurde ein neuer Kühlschrank gestellt. Derzeit ist der Backofen defekt, so dass der Pflegedienst nichts aufbacken kann. Das Schlimmste ist für die Mieterin jedoch der gesundheitsgefährdende Schimmel in allen Räumen. „Auch andere im Haus haben Schimmel, aber sie trauen sich nicht, das zu reklamieren“, erklärt Carmen Olivar. Mittlerweile ist sie völlig verzweifelt.
Nun ist es nicht so, dass die Degewo auf ihre Mängelanzeigen gar nicht reagiert. „Es kamen immer mal wieder Handwerker, aber es wird nur Flickschusterei betrieben“, sagt die Mieterin. Beispielsweise habe die Firma nicht den Folgeauftrag erhalten, um das Balkonabflussrohr zu reparieren. Wasserschäden seien „ärgerlich“, aber gegen Unwetter könne man nun mal nichts machen, heißt es lapidar in einem Schreiben des Wohnungsunternehmens.
Die Degewo möchte sich unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht zu den Vorwürfen äußern. Inzwischen hat Carmen Olivar nämlich eine Klage auf Mängelbeseitigung eingereicht. Auch zur Frage der von der Mieterin vermuteten möglichen Asbestbelastung will die Degewo nichts sagen. „Unser Ziel ist es, insbesondere den Anforderungen von mobilitätseingeschränkten Mieterinnen und Mietern gerecht zu werden“, schreibt die Degewo dem MieterMagazin. Diese Aussage klingt wie Hohn in den Ohren von Carmen Olivar. „Ich bin mit den Nerven am Ende“, sagt sie: „Warum wird mit behinderten und schutzbedürftigen Menschen so umgegangen?“
Birgit Leiß
24.06.2026




