Das Gebäude Englische Straße 29 in der sogenannten Spreestadt zwischen Charlottenburg und Mitte ist eines der weniger bekannten komplett leerstehenden „Geisterhäuser“ in Berlin. Nun stehen die Zeichen auf Abriss.

Foto: Christian Muhrbeck
Der Altbau wirkt heruntergekommen. Die Haustür ist verrammelt, ein Klingelschild nicht mehr vorhanden. „Kein Puff“ ist auf einen heruntergelassenen Rollladen gesprüht. Das stammt aus der Zeit, als die Englische Straße 29 Schlagzeilen machte, weil die Miteigentümerin hier, ein paar Häuser neben der „Erlebnis-Welt“ von Mercedes-Benz, das größte Bordell Berlins mit bis zu 93 Zimmern bauen wollte. Einige vermuten, dass das lediglich eine Drohgebärde war. Denn die Eigentümerin wehrte sich – letztendlich erfolglos – dagegen, rechts und links mit Büro-Häusern zugebaut zu werden. Durch die Bauarbeiten wurde das einzige Wohnhaus in der Straße in Mitleidenschaft gezogen. Um das Jahr 2010 herum wurde den letzten Mietparteien gekündigt.

Foto: Christian Muhrbeck
Doch den Abrissantrag hat das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf zweimal abgelehnt, zuerst 2019 und dann 2022. Dass das Haus mit 28 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten leersteht, ist dem Bezirksamt spätestens seit Anfang 2019 bekannt, wie eine Anfrage in der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf ergab. Ein Antrag auf Zweckentfremdung wegen des Leerstands wurde nie gestellt. Der Bezirk hat zwar ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet, jedoch kein Bußgeld verhängt. Es erscheine „derzeit sinnvoll, keinen Bußgeldbescheid zu erlassen“, so ein Sprecher der zuständigen Bezirksstadträtin Astrid Duda (CDU). Begründung: Zwar lägen noch keine Bauanträge vor, aber kürzlich habe eine Bauberatung für eine mögliche Neubauplanung stattgefunden. Die Tage des einst prächtigen Gründerzeitaltbaus dürften gezählt sein.
Birgit Leiß
24.06.2026




