Die Berliner Senatskoalition will noch vor der Sommerpause die Grundlage für ein Wohnungs- und Mietenkataster schaffen. Es soll vor allem zur Bekämpfung von Wuchermieten dienen.

Illustration: Julia Gandras
Eine „mietenpolitische Revolution“ verkündete SPD-Fraktionschef Raed Saleh nach der Einigung mit der CDU auf ein Wohnungs- und Mietenkataster. Alle Berliner Mietverhältnisse sollen zentral erfasst werden. Vermieter:innen würden verpflichtet, umfassende Angaben zu allen Wohnungen inklusive der aktuellen Miethöhe zu machen. Diese werden dann automatisch mit dem Berliner Mietspiegel abgeglichen. Zeigen die Daten eine Mietpreisüberhöhung von mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete, werden die Mietenden darüber informiert. Bei Verdacht auf strafbaren Mietwucher – mehr als 50 Prozent über dem ortsüblichen Mietpreis – kann das Wohnungsamt die Staatsanwaltschaft einschalten.
Der Berliner Mieterverein (BMV) begrüßt das Vorhaben als „einen entscheidenden Schritt für mehr Transparenz und für die bessere Verfolgung von Mietpreisüberhöhungen“, so Geschäftsführerin Wibke Werner. „Nur wer die Begebenheiten auf dem Berliner Wohnungsmarkt kennt, kann zielgerichtet Steuerungsinstrumente einsetzen.“ Immer wieder werde die Ahndung von Gesetzesverstößen erschwert, weil man die Verantwortlichen nicht kennt. Nach Ansicht des BMV sollte das Kataster auch Leerstand sowie altersgerechte und öffentlich geförderte Wohnungen erfassen.
Vermieterverbände reagieren entsetzt. „Bürokratiemonster mit Strafandrohungen sind offensichtlich auch weiterhin die einzige Idee, die die Politik regelmäßig aus der Mottenkiste holen will“, sagt Carsten Brückner, Vorsitzender von Haus & Grund Berlin. Einen „beispiellosen Eingriff in die Privatsphäre von Vermietern und Mietern“ sieht der Bundesverband Freier Wohnungsunternehmen (BFW). „Es geht nicht mehr um Transparenz, sondern um eine KI-Maschine, die den Generalverdacht gegen Vermieter automatisiert“, meint BFW-Berlin/Brandenburg-Vorstand Michael Kranz.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dirk Stettner versucht zu beruhigen: Es beträfe nur „sehr, sehr wenige Vermieter“. Diverse Erhebungen zu Mietwucher in Berlin lassen jedoch anderes erwarten.
Jens Sethmann
26.05.2026




