Nachdem Anfang des Jahres Vonovia-Manager wegen Korruption zu Haftstrafen verurteilt wurden, laufen die Ermittlungen weiter. Vonovia bestreitet, dass Mieter:innen geschädigt wurden, doch die Überprüfung dieser Behauptung ist schwierig.

Am 9. Januar 2026 urteilte das Landgericht Bochum gegen zwei ehemalige Mitarbeiter eines Tochterunternehmens der Vonovia SE sowie gegen zwei Mitarbeiter eines Handwerksbetriebs wegen Betrugs, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung (Az. 6 KLs 2/25). Laut Oberstaatsanwaltschaft wird weiterhin gegen rund 50 Personen ermittelt, und es gebe eine „Masse an weiteren Taten“.
Im Zentrum der Ermittlungen standen bisher „Luftrechnungen“ in Höhe von rund 198.000 Euro – angebliche Planungskosten, denen keine reale Gegenleistung gegenüberstand. Zugleich flossen über einen längeren Zeitraum Schmiergelder, um bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugt berücksichtigt zu werden und sich wirtschaftliche Vorteile zu sichern. Laut Urteil wurden die Rechnungen im Rahmen eines Modernisierungsprojekts abgerechnet. Brisant ist dies, weil die anfallenden Modernisierungskosten nach geltendem Mietrecht umgelegt werden können und sich dadurch auf die Miethöhe auswirken. Sollten die „Luftrechnungen“ tatsächlich in die umlagefähigen Kosten eingeflossen sein, kämen neben dem Unternehmen auch Mieter:innen und staatliche Fördermittelgeber als Geschädigte in Betracht. Vonovia hatte demgegenüber 2023 erklärt, dass keine Schäden für Mieter:innen entstanden und Untersuchungen durch Prüfinstitutionen beauftragt worden seien. Deren Ergebnisse sind jedoch nicht öffentlich zugänglich.
Für Mieter:innen bleibt die Frage nach der Kostentransparenz zentral, da die Belegeinsicht von Vonovia oft erschwert wird, insbesondere bei Abrechnungen von Kosten konzerninterner Gesellschaften. Der Korruptionsfall zeigt daher nicht nur individuelles Fehlverhalten auf, sondern auch strukturelle Schwächen bei Kontrolle und Umlage von Kosten und lässt offen, ob Mieter:innen finanziell belastet wurden oder künftig belastet werden könnten.
Stefan Klein
26.05.2026




