Berlin will mit einer Reihe neuer Wohnhäuser buchstäblich hoch hinaus. Doch lohnen Wohnhochhäuser wirklich den Aufwand? Oder sind sie unwirtschaftliche Riesen-Bauklötze?

Foto: Nils Richter
Seit Mai 2025 werden die „Brooks-Towers“ in Friedrichshain vermarktet, zwei Wohnhochhäuser mit 95 und 86 Metern Höhe als Eigentumswohnungen. Die Preise reichen bis 17.500 Euro pro Quadratmeter in der 23. Etage.
Während bei einem acht- bis zwölfgeschossigen Haus die Baukosten im Wohnungsbau in Deutschland im Durchschnitt bei etwa 2500 bis 3000 Euro pro Quadratmeter liegen, steigen sie bei Hochhäusern über 60 Meter laut Untersuchungen der TU Darmstadt und des Deutschen Instituts für Urbanistik auf 3800 bis über 4500 Euro pro Quadratmeter. Ursache sind zusätzliche Aufzugsschächte, größere Technikflächen und deutlich stärkere Tragwerke. Allein der Aufzuganteil kann von rund 3 Prozent der Baukosten auf über 8 Prozent steigen. Nimmt man beispielhaft ein Haus mit 15.000 Quadratmetern Wohnfläche, bedeutet das Mehrkosten von mindestens 15 bis 20 Millionen Euro gegenüber einem niedrigeren Gebäude. Diese Kosten lassen sich nur durch höhere Mieten refinanzieren.
Auch im Betrieb fallen Mehrkosten an. Laut Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen liegen die jährlichen Betriebskosten in sehr hohen Wohnhäusern im Schnitt 20 bis 30 Prozent über denen mittelhoher Gebäude, vor allem durch Strom für Aufzüge, Wartung und Sicherheitstechnik. Ökologisch schneiden Hochhäuser ebenfalls schlechter ab. Studien der ETH Zürich zeigen, dass der Materialeinsatz pro Quadratmeter Wohnfläche ab etwa 20 Geschossen um bis zu 40 Prozent steigt, insbesondere durch Beton und Stahl – was die CO2-Bilanz deutlich verschlechtert.
Sozialwissenschaftliche Untersuchungen, unter anderem vom Deutschen Institut für Urbanistik, belegen zudem, dass mit zunehmender Höhe Anonymität und Fluktuation steigen, während Nachbarschaftskontakte abnehmen. All diese Faktoren führen dazu, dass Wohnhochhäuser über 60 Meter zwar städtebaulich Zeichen setzen, aber weder für Mieter:innen lebenswert noch für Vermieter:innen langfristig wirtschaftlich sind.
Stefan Klein
18.02.2026




