Heizen wird immer teurer. Viele Mieter:innen wissen kaum noch, wie sie die hohen Nachforderungen und die ständig steigenden Vorauszahlungen stemmen sollen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Vor allem für Gas und Öl prognostiziert der kürzlich vorgelegte Heizspiegel weitere Höhenflüge. Die gute Nachricht: 90 Prozent der Haushalte können durch einfache Maßnahmen sparen.

Foto: Steinbiss
Der bundesweite Heizspiegel wird alljährlich von der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online gemeinsam mit dem Deutschen Mieterbund (DMB) und dem Bauherren-Schutzbund erstellt. Dafür wurden die Heizkostenabrechnungen von rund 67.000 Haushalten aus der Heizperiode 2025 ausgewertet. Mieter:innen können zudem über einen kostenlosen Online-Check prüfen, ob ihre Abrechnung im „normalen“ Bereich liegt und wo sie sparen können. „Der Heizspiegel liefert den Verbraucherinnen und Verbrauchern eine unabhängige Orientierung auf Basis ihrer realen Verbrauchsdaten und zeigt gleichzeitig, welche Möglichkeiten sie haben, die eigenen Heizkosten dauerhaft zu senken“, erklärt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online.
Im Abrechnungsjahr 2025 schlugen der relativ kalte Winter und gestiegene Preise einzelner Energieträger voll durch. Vor allem das Heizen mit Erdgas und Holzpellets ist deutlich teurer geworden. Am Beispiel einer 70 Quadratmeter großen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus sieht das folgendermaßen aus: Für eine Gasheizung waren durchschnittlich 1170 Euro zu zahlen – ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Heizöl ist mit 1030 Euro gleich geblieben, während Fernwärme um 6 Prozent auf 1295 Euro gestiegen ist. Beim Heizsystem mit Wärmepumpe sind trotz eines Anstiegs um 5 Prozent die Heizkosten mit 715 Euro am niedrigsten. Die um 20 Prozent gestiegenen Kosten für Holzpellets spielen im Mietwohnungsbereich kaum eine Rolle.
Heizspiegel mit Stufeneinteilung
Der Heizspiegel teilt die Kosten in vier Stufen ein: niedrig, mittel, erhöht und zu hoch. Für Mehrfamilienhäuser über 500 Quadratmeter Gesamtfläche sind demnach bei einer Gasheizung 9,70 Euro pro Quadratmeter und Jahr günstig. 16,50 Euro sind mittel, 24,70 Euro sind erhöht und ab 24,71 Euro sind die Kosten zu hoch. Bei Fernwärme gelten 9,80 Euro als niedrig, 16,80 Euro als durchschnittlich und 26,40 Euro als erhöht. Wichtig: Die Werte beziehen sich auf die Gesamtfläche eines Hauses und lassen nur begrenzt Rückschlüsse auf die Angemessenheit der Heizkosten einzelner Wohnungen zu. Denn es spielt beispielsweise eine große Rolle, ob man im Parterre oder im Obergeschoss wohnt.

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Wer herausfinden will, ob die eigenen Heizkosten überteuert sind, kann das über den interaktiven Heizkostencheck von co2online überprüfen. Dafür müssen die Daten aus der letzten Heizkostenabrechnung eingegeben werden.
Für 2026 rechnet co2online mit weiteren Anstiegen. Vor allem fossile Brennstoffe werden immer teurer. So könnten sich die Kosten für eine mit Öl betriebene Heizung nach dieser Prognose um 24 Prozent erhöhen. Auch bei Gas zeichnet sich erneut eine Teuerung ab. Grund ist unter anderem die angespannte geopolitische Lage. Das Problem: Mieter:innen haben keinen Einfluss darauf, welches Heizsystem in ihrem Haus installiert wird. „Der Heizspiegel zeigt: Gerade fossile Heizungen werden immer mehr zum Kostenrisiko – besonders in älteren und energetisch schlechten Gebäuden“, sagt Florian Becker, Bundesdirektor des DMB. Er fordert klare gesetzliche Regelungen, um Mieterhaushalte vor zu hohen Preissteigerungen zu schützen.

Foto: Förderfuchs
Etwa 30 Prozent der Berliner Mietwohnungen werden mit Fernwärme beheizt, die meisten von der BEW-Berliner Energie und Wärme GmbH. Anfang 2026 hat die BEW die Preise für den Tarif „Stadtwärme Klassik“ um 1,9 Prozent angehoben – eine moderate Erhöhung angesichts einer Inflation von rund 3 Prozent. Im September 2026 lag der Gaspreis zwischen 10 und 13 Cent pro Kilowattstunde. Im bundesweiten Vergleich liegt Berlin damit im Rahmen (durchschnittlicher Preis: 15,7 Cent zum 1. Januar 2026).
Fernwärme: Preisaufsicht und Transparenzpflichten nötig
Der Berliner Mieterverein weist jedoch darauf hin, dass Fernwärme ein lokales Monopol darstellt. Mieter:innen sind außerdem weder Vertragspartner noch können sie Einfluss auf die Entscheidung für die Wahl des Wärmelieferanten oder die Ausgestaltung des Wärmeliefervertrags nehmen. „Solange die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht um Mieter:innenrechte erweitert werden, können wir nur immer wieder an die Vermietenden appellieren, verantwortungsvoll zu handeln und im Austausch mit ihren Mieter:innen über die Wärmelieferung für deren Wohnungen zu entscheiden“, erklärt BMV-Geschäftsführer Sebastian Bartels. „In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, dass gerade die Preisänderungsklauseln ein Einfallstor für teils mutwillige Falschberechnungen sind.“ Der BMV kritisiert, dass nach wie vor eine unabhängige Preisaufsicht und Transparenzpflichten fehlen. Hier müsse die Bundesregierung kurzfristig mit dem neuen Wärmenetzgesetz gegensteuern.
Er empfiehlt Fernwärme-Haushalten, die jährliche Abrechnung auf den aktuell gültigen Arbeits- und Grundpreis zu prüfen und mit dem Vorjahresverbrauch zu vergleichen. Bei Zweifeln, etwa an der Preisänderungsklausel, sollten sie eine Beratung in Anspruch nehmen.
Birgit Leiß
Heizkostensparen ohne Komfortverlust
Mieter:innen können einiges dafür tun, ihre Heizkosten zu senken. Vor Beginn der Heizperiode empfiehlt sich ein kurzer Check in den eigenen vier Wänden:
- Entlüften: Gluckert es im Heizkörper, ist Luft im System. Mit einem Entlüftungsschlüssel aus dem Baumarkt lässt sich das in wenigen Minuten selbst beheben.
- Thermostate prüfen: Klemmende oder falsch eingestellte Thermostatventile verbrauchen unnötig Energie.
Während der Heizperiode helfen die folgenden Regeln beim Einsparen von Energiekosten:
- Zugige Fenster abdichten. Die Investition in Dichtungsband lohnt sich: In einem Einfamilienhaus mit 130 m² kann man pro Jahr über 1085 kWh und 130 Euro (rund 13 Euro pro Fenster) einsparen.
- Die Räume nicht wärmer als nötig heizen. Eine Absenkung um ein Grad kann den Heizenergieverbrauch um etwa sechs Prozent senken. In Schlafzimmer und Flur genügen oft 16 Grad, ansonsten 20 Grad.
- Wenn man länger außer Haus ist, die Thermostate herunterdrehen. Allerdings sollten die Räume nicht völlig auskühlen, sonst droht Schimmel. Hilfreich sind programmierbare Thermostate.
- Kurzes, kräftiges Stoßlüften statt dauerhaft gekippter Fenster. Während des Lüftens Thermostatventile herunterdrehen.
- Darauf achten, dass die Heizkörper nicht durch Vorhänge, Möbel oder Ähnliches verdeckt werden.
- Nachts Rollos und Vorhänge zuziehen.
kb
Weitere Spartipps unter:
www.co2online.de/energie-sparen/heizenergie-sparen/heizkosten-sparen/richtig-heizen-die-10-besten-tipps
Heizspiegel zum Download:
www.co2online.de/service/downloads/publikationen
Heizkostencheck:
www.co2online.de/heizspiegel
Der BMV bietet eine kostenlose Energieberatung an.
Terminvereinbarung unter Telefon 030 226 260.
Außerdem gibt es für Mitglieder die Möglichkeit, die Fernwärme-Anschlusskosten über den Kooperationspartner Senercon überprüfen zu lassen. Infos unter
www.fairwaerme.de
29.10.2026




