Die Ernennung der Waldsiedlung Zehlendorf („Onkel Toms Hütte“) zum UNESCO-Welterbe brachte der umstrittenen Vonovia als Eigentümerin viel Lob ein. Der Erbauer Bruno Taut würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was aus seiner Siedlung geworden ist, sagen einige Anwohner:innen.

Foto: Nils Richter
Die Papageiensiedlung, wie sie wegen der bunt angestrichenen Häuser auch genannt wird, wurde als siebter Teil der Welterbestätten „Siedlungen der Berliner Moderne“ eingetragen. Gemeinsam, so Landeskonservator Christoph Rauhut, setzten sie Maßstäbe für gesundes und sozial orientiertes Wohnen. Zu den Besonderheiten gehören neben der prägnanten Farbgebung die Einbettung der Anlage in das Waldgebiet und die Flachdächer. Das Ensemble mit rund 1100 Mietwohnungen und 809 Einfamilienhäusern wurde für die gemeinnützige Gehag gebaut und sollte Menschen mit kleinem Geldbeutel ein Wohnen in Licht, Luft und Sonne ermöglichen.
Ende August (nach Redaktionsschluss) veranstaltete das Landesdenkmalamt zusammen mit der Vonovia ein Fest, mit dem gleichzeitig der 100. Geburtstag gefeiert wurde.
Dass sich ausgerechnet ein börsennotiertes Unternehmen mit diesem architekturhistorischen Erbe brüstet, ärgert Barbara von Boroviczeny, die sich in der Bezirksgruppe des Berliner Mietervereins (BMV) sowie der Initiative „MieterInnen Südwest“ engagiert: „Wir leben gern in dieser naturverbundenen Umgebung und schätzen auch sehr das ökosoziale Konzept von Taut.“ Die Vonovia bewirtschaftet die Siedlung nicht im Geiste Tauts, lautet die Kritik der dortigen Bewohner:innen. Der in der Weimarer Zeit wirkende Architekt hatte einen dezidiert sozialen Anspruch und lehnte ein rein gewinnorientiertes Privateigentum an Grund und Boden ab. Die Aufwertung durch das Welterbesiegel ist für Boroviczeny daher ein Etikettenschwindel. „Wir hätten dazu einiges zu sagen gehabt, aber uns hat niemand gefragt.“
Mieterhöhungen unter Berufung auf den neuen Status sind übrigens nicht möglich.
Birgit Leiß
25.08.2026




