Die folgenden Zeilen sind Hartmann Vetter gewidmet, einem Menschen, der sie nicht mehr lesen wird. Er starb am 29. Januar dieses Jahres. Sich in die Trauernden einzureihen, die ihm am nächsten waren, steht dem Schreiber nicht zu. Auch wenn ich ihn beruflich und als Mensch sehr geschätzt habe und viele Jahre ein Weggefährte war. Ich will versuchen, den Ton zu treffen, der ihm in seiner öffentlichen Rolle als Geschäftsführer des Berliner Mieterverein wichtig war. Selbstlob, hohles Pathos und Fremdbeweihräucherung gehörten nicht zu Hartmanns Habitus.

Foto: Michael Hughes
Vielleicht kann man seine Haltung am besten durch eine Episode illustrieren: Im Jahr 2009, bei seiner Verabschiedung als Geschäftsführer des Berliner Mietervereins und nach 30 Jahren Amtszeit, lud er F. J. Radermacher ein. Damit war jemand Hauptredner, der als Mitglied des Club of Rome sehr früh eine radikale Wende in der Klima- und Umweltpolitik einforderte. Nicht die Person Vetter, sondern eine bessere Umweltpolitik sollte ins Zentrum der Veranstaltung gerückt werden. Ich erinnere mich noch an den sanften Tadel dafür, dass meine auf die Person zugeschnittene Abschiedsrede zu lang ausgefallen wäre. Hartmann Vetter war ein Überzeugungstäter, und das merkte man seinem Auftreten, seinem knappen und manchmal resoluten Stil an: sachbezogen, kompetent und mit glaubwürdigem Engagement – das war Hartmann.
Palastrevolution mit Generationswechsel
Nachdem der Generationswechsel im Berliner Mieterverein 1979 und eine Palastrevolution mit Hartmann Vetter an der Spitze vollzogen worden war, verdreifachte sich die Mitgliederzahl im Verlauf von zehn Jahren. Als er sein Amt als Geschäftsführer an den Nachfolger Reiner Wild übergab, war der Verein von rund 13.000 auf knapp 105.500 Mitglieder gewachsen. „Ich habe viel von ihm lernen können“, so Reiner Wild. Besser kann man nicht illustrieren, dass organisatorischer Erfolg eines Dienstleisters und politische Einmischung sich nicht ausschließen. Im Gegenteil! Man darf es ruhig laut sagen: Es war eine politische Einmischung für diejenigen, die den Reichen und Mächtigen ohne Hilfe durch starke Organisationen wenig entgegenzusetzen haben.

Foto: privat
Nicht nur in der Berliner, sondern auch in der Bundespolitik ging Hartmann Vetter voraus und musste oft daran erinnern, dass Anzüge und Krawatten kein Garant für gute Politik und organisatorischen Erfolg sind. Man tat sich anfänglich denn auch schwer in der Bundespolitik mit den viel zu politischen jungen Wilden aus Berlin. Hartmann Vetter verkörperte sie und nahm mit seiner Sachkompetenz den Etablierten im Deutschen Mieterbund den Wind aus den Segeln.
Eine Warnung, die ohne Resonanz blieb
Häufig war seine politische Einmischung überraschend vorausschauend. Vor seinem Ausscheiden aus dem Amt steckte Hartmann noch sein Herzblut in die Herausgabe eines „Schwarzbuch Privatisierung“, das die finanzmarktgetriebenen Investoren und den Privatisierungswahn der damaligen Zeit ins Rampenlicht rückten. Mit dem Erbe dieser Ära, die durch zahlreiche Finanzmarktförderungsgesetze der Schröder-Ära befördert wurde, schlägt sich die Berliner Politik bis heute herum. Die Warnung stieß damals auf wenig Resonanz, auch wenn ein weltweiter Fast-Zusammenbruch der Finanzmärkte und Staatsfinanzen bereits erfolgt war.
Wir haben Dich, Hartmann, mit Trauer aus einer Welt entlassen müssen, die gerade dabei ist, ihren halbreligiösen Glauben an freien Wettbewerb, Marktwirtschaft und zwischenstaatliche Konkurrenz als Garanten eines besseren Lebens und einer intakten Umwelt zu überdenken. Ich glaube, Du wärest dabei.
Armin Hentschel
Autor Armin Hentschel war bis 1992 beim BMV und danach Leiter des Instituts für soziale Stadtentwicklung (IFSS).
18.02.2026




