Eine neue, gemeinwohlorientierte Wohnungsbaugesellschaft möchte bezahlbaren Wohnraum schaffen – in schmalen Berliner Baulücken, finanziert von privaten Anleger:innen. Das MieterMagazin sprach mit Unternehmensgründer Van Bo Le-Mentzel.

Foto: Gemeinwohlbau
MieterMagazin: Herr Le-Mentzel, woher kam die Idee für das Projekt?
Van Bo Le-Mentzel: Meine Frau, unsere drei Kinder und ich wurden im Sommer wegen Eigenbedarfs aus unserer Wohnung gekündigt. Nachdem ich meinem Architektenkollegen Lukas Sailer mein Leid geklagt hatte, haben wir gemeinsam die neue Initiative – als Ausgründung unserer bestehenden Tiny Foundation – ins Leben gerufen. Ich will mit der Gemeinwohlbau verhindern, dass andere Familien durchmachen müssen, was wir durchgemacht haben.
MieterMagazin: Wo steht das Projekt aktuell?
Van Bo Le-Mentzel: Wir stehen noch ganz am Anfang. Wir haben ein Ankaufprofil an unsere Immobilienabteilung gegeben, die nun sondiert und Grundstücke mit einem Ankaufspreis unter einer Million Euro sucht. Es kommen aktuell viele Immobilienexposés rein – beispielsweise eines an der Frankfurter Allee für 900.000 Euro. Um dieses kaufen zu können, bräuchten wir 90 Kapitalgeber:innen, die je 10.000 Euro investieren. Das Geld soll hauptsächlich von Privatpersonen kommen.
MieterMagazin: Und? Melden sich denn potenzielle Investor:innen?
Van Bo Le-Mentzel: Ja. Wir dürfen laut BaFin, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, nicht viel mehr als hundert Investor:innen pro Baulücke aufnehmen. Nun haben sich in den letzten vier Wochen aber schon über 150 Menschen gemeldet, die investieren wollen. Unsere Kampagne läuft maximal zwölf Monate, auch das ist eine Vorgabe der Finanzaufsicht. Wir sind von dem großen Interesse überrascht und auch sehr happy. Es zeigt: Die Berliner:innen wollen Verantwortung übernehmen für ihre Stadt.
MieterMagazin: Welche Vorteile hat man als Investor:in?
Van Bo Le-Mentzel: Wir sind keine Genossenschaft und auch keine Baugruppe. Das bedeutet, durch das Zeichnen von Unternehmensanteilen kann man sich keine Wohnung sichern. Aber: Wer in unser Unternehmen investiert, wird am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Die Rendite ist nicht so hoch wie bei Risiko-Start-Ups, aber höher als das, was die Banken auf dem Girokonto oder dem Sparkonto anbieten.
MieterMagazin: Wie hoch werden die Mieten sein?
Van Bo Le-Mentzel: Wir schaffen Wohnraum ab 330 Euro Miete. Eine alleinerziehende Mutter mit Kind kann bei uns eine Zweiraumwohnung für unter 550 Euro mieten. Wir haben Housing First integriert in unsere WGs, und Azubis sind ebenso willkommen wie Witwe:r, Väter und Mütter im Nest-Modell, aber auch ganz klassische fünfköpfige Familien. Die Wohnungen werden bezahlbar sein für breite Einkommensschichten, nicht nur für Gutverdienende.
MieterMagazin: Warum zahlen nicht alle denselben Mietpreis? Die Wohnungen variieren zwischen 15 Euro und 22,50 Euro pro Quadratmeter kalt. Ist das nicht ungerecht?
Van Bo Le-Mentzel: Wir nennen unser Vermietungskonzept „gemeinwohlorientiertes Mietmodell“. Es wäre ungerecht, wenn wir alle denselben Mietpreis zahlen lassen würden. Wichtig ist, dass die Mieten für die verschiedenen Einkommensgruppen bezahlbar bleiben, also nicht mehr als ein Drittel des Einkommens ausmachen. Wir wollen auch, dass die Häuser wirtschaftlich sind, damit Rücklagen gebildet werden können, um Instandhaltung zu sichern.
MieterMagazin: Wie groß sind die Wohnungen? Sie sind ja von Tiny Houses inspiriert.
Van Bo Le-Mentzel: Wir bauen Kleinstwohnungen, die in der Fläche in etwa halb so groß sind wie das, was andere Wohnungsbauunternehmen planen. Dafür haben wir standardmäßig überhohe Decken wie im Gründerzeitbau. Außerdem ist die Hälfte unserer Wohnungen auf Wohngemeinschaften ausgerichtet. Wir planen ungern Einzimmerwohnungen, sondern begegnen der zunehmenden Vereinsamung lieber mit Cluster-Konzepten, bei denen jedes WG-Mitglied den Luxus eines eigenen Bades und einer eigenen Miniküche, zudem aber auch Zugriff auf eine gemeinschaftliche Wohnküche hat. Wir nennen das „Co-Being“.
Interview: Katharina Buri
Das Konzept der Gemeinwohlbau
Schmale Baulücken von 15 bis 30 Metern, von denen es rund 1000 in Berlin gibt, systematisch mit bezahlbarem Wohnraum zu schließen: das ist das Ziel eines neu gegründeten Wohnungsbauunternehmens mit Gemeinwohlorientierung: der „Gemeinwohlbau COB 01 GmbH i.G.“. Finanziert werden sollen die Wohnungen von Kleinanleger:innen, dann seriell gebaut nach dem Baukastenprinzip und bezahlbar vermietet. Hinter dem Projekt steht unter anderem Van Bo Le-Mentzel, der mit der Tiny Foundation, einem selbsternannten Think Tank für soziale Nachbarschaften (und kleines Wohnen) in der Vergangenheit bereits Furore gemacht hatte.
kb
26.01.2026




