Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt plant der Senat eine Internationale Bauausstellung (IBA) für die Jahre 2034/37. Inhalt und Ziele der IBA sind aber noch völlig unklar. Während die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erst nach einem offiziellen Senatsbeschluss darüber reden will, bieten im Werkbund Berlin altgediente IBA-Fachleute ihre Expertise in offenen Diskussionsforen an.

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Im Koalitionsvertrag, den CDU und SPD im April 2023 beschlossen haben, heißt es: „Die Koalition wird zügig ein Konzept zur Durchführung einer Internationalen Bauausstellung in der Metropolregion erarbeiten und es anschließend mit der Stadtgesellschaft diskutieren und präzisieren.“ Was die neue IBA bezwecken soll, bleibt offen.
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hat inzwischen zwischen 2034 und 2037 als Zeitraum der neuen IBA ausgerufen – nicht zufällig genau 50 Jahre nach der letzten Berliner IBA. Seit 2024 läuft auch schon die „Sondierungsphase“, die in diesem Jahr in eine „Start- und Experimentierphase“ übergehen soll.
Das Thema hat die Senatsverwaltung inzwischen etwas eingekreist. Man möchte sich mit der Bauausstellung den beiden Herausforderungen „Klima“ und „Umgang mit städtischem Grund und Boden“ stellen. Unter der Prämisse „Umbau, Weiterbau und Neubau in der bestehenden Stadt“ sollen Quartiere, Nachbarschaften und öffentliche Räume zukunftsfähig gestaltet werden. Im Programm auch „eine Umbaustrategie für die klimaresiliente Weiterentwicklung von Bestandsgebäuden, von Quartieren und Siedlungen“. Dringend notwendig sei eine „Revision der gebauten Umwelt“. Das Wortgeklingel erweckt den Eindruck, als plane Berlin den ganz großen Wurf.

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Konkretere Inhalte, Leitmotive und die Orte für die IBA stehen noch nicht fest. Am Ende der Sondierungsphase wird ein Senatsbeschluss zur Durchführung der IBA angestrebt. Demnach sollen eine Beteiligung der Öffentlichkeit und ein „IBA-Festival“ stattfinden. Details dazu gibt die Senatsverwaltung vorher nicht bekannt.
Im Laufe der anschließenden Startphase will die Senatsverwaltung die Steuerung an eine noch zu gründende landeseigene IBA-Gesellschaft abgeben. Der weitere Fahrplan: Projektentwicklungsphase ab 2030, Bauphase ab 2032 und schließlich die Fertigstellungs- und Ausstellungsphase 2034 bis 2037.

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Der Werkbund Berlin wollte offensichtlich nicht abwarten. Unter anderem um „frühzeitig einen breiten gesellschaftlichen Dialog zu etablieren“, startete er im letzten Jahr selbst eine Diskussionsreihe über die mögliche IBA 2034/37.
Akteuren der letzten IBA ist das bezahlbare Wohnen wichtig
Den Protagonist:innen – darunter einige, die schon bei der IBA 1984/87 aktiv waren – ist es besonders wichtig, sich um das bezahlbare Wohnen zu kümmern. „Mit den bisherigen Bauausstellungen hat Berlin seinen Ruf als wohnungspolitisch engagierte Stadt gefestigt“, sagt Franziska Eichstädt-Bohlig, die die Werkbund-Diskussionen mitorganisiert hat. Das Thema sei wichtig, selbst wenn die IBA nicht kommen sollte, so Eichstädt-Bohlig, die in den 80er Jahren den alternativen Sanierungsträger Stattbau leitete. Uli Hellweg, damals bei der IBA-Altbauerneuerung tätig, später IBA-Hamburg-Geschäftsführer und heute im Werkbund-Vorstand, sagt: „Internationale Bauausstellungen zeichnen sich dadurch aus, das Unmögliche möglich zu machen.“

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Bei Internationalen Bauausstellungen werden Architekt:innen und Stadtplaner:innen aus dem In- und Ausland eingeladen, um an einem Ort beispielhafte Lösungen für eine bestimmte Bauaufgabe zu präsentieren. Tätigkeitsfelder hätte Berlin en masse zu bieten: Wohnungsknappheit, Unbezahlbarkeit des Wohnens, Klimaanpassung des Gebäudebestandes, Büroleerstand, Verkehrsbelastungen, um nur einige zu nennen.

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Statt sich zu überlegen, wie man die zahlreichen Stadtentwicklungsprobleme lösen könnte, zäumt der Senat das Pferd von hinten auf, beschließt erstmal das Format IBA und denkt dann darüber nach, was man damit erreichen will.
Bleibt der Anlauf einer von vielen

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Es ist nicht der erste Anlauf, an die IBA-Traditionen von 1957 und 1987 anzudocken. Im Jahr 1997 stieß der CDU-Bausenator Jürgen Klemann eine Bauausstellung Berlin 1999 an, mit der er im Rahmen seiner „Eigentumsstrategie 2000“ den Eigenheimbau auf den grünen Wiesen von Pankow und Weißensee voranbringen wollte. Was tatsächlich gebaut wurde, war kläglich. Klemanns Nachfolger Peter Strieder (SPD) stampfte die Pläne kurzerhand ein.
Der letzte offizielle Anlauf für eine IBA 2020 wurde 2013 abgeblasen – vorrangig aus finanziellen Gründen, aber die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hatte auch nach endlosen Leitbild-Debatten kein schlüssiges Konzept zustande gebracht. Zunächst sollte der Titel „Hauptstadt Raumstadt Sofortstadt“ heißen, er wurde dann in „Wissen, Wirtschaft, Wohnen“ umgeändert, bis das Motto „Draußenstadt wird Drinnenstadt“ lautete. Nach der Absage wollte man die Kernvorhaben ohne IBA umsetzen. Dazu gehörte die Randbebauung des Tempelhofer Feldes, die dann ein Jahr später per Volksentscheid gestoppt wurde.
Ein Vorstoß der Architektenkammern von Berlin und Brandenburg für eine länderübergreifende IBA Berlin-Brandenburg, die im Zeitraum 2020 bis 2030 stattfinden sollte, ist versandet. Außerhalb Berlins gab es in den letzten 25 Jahren hingegen eine wahre IBA-Inflation von Hamburg bis Wien, von Basel bis in die Niederlausitz.
Jens Sethmann
Große Fußstapfen
Schon die angestrebte Jahreszahl 2034/37 macht deutlich, dass Berlin nach 50 Jahren an den Erfolg der IBA 1984/87 in West-Berlin anknüpfen will. „Die Innenstadt als Wohnort“ war damals der programmatische Titel. Einerseits wurden neue Wohnhäuser auf Kriegsbrachen im alten Straßengrundriss gebaut – größtenteils im sozialen Wohnungsbau – andererseits wurden nach dem Prinzip der behutsamen Stadterneuerung viele heruntergekommene Altbauten so saniert, dass sich die Mieter:innen das Wohnen dort weiterhin leisten konnten. Das war eine Wende in der Baupolitik. Das zweite Vorbild ist die Interbau 1957: Im Hansaviertel wurden betont moderne Häuser internationaler Architekt:innen errichtet. West-Berlin grenzte sich so als Schaufenster des Westens demonstrativ vom traditionellen Baustil ab, der bis dahin noch in Ost-Berlin angesagt war. In die IBA-Tradition wird bisweilen noch die Deutsche Bauausstellung von 1931 gestellt. In den Messehallen am Funkturm erregten unter dem Titel „Wohnung unserer Zeit“ vor allem die Errungenschaften des gemeinnützigen Wohnungsbaus der Weimarer Republik große Aufmerksamkeit. Weitere IBA-Vorläufer waren die Demonstrativ-Wohnanlagen Weißenhofsiedlung in Stuttgart von 1927 und Mathildenhöhe in Darmstadt von 1901.
js
werkbund-berlin.de/veranstaltungen/werkbund-forum-iba-berlin
23.01.2026




