Auf dem Ratibor-Areal am Landwehrkanal arbeiten Handwerksbetriebe mit 80 Beschäftigten. Jetzt will der Bund dort Wohnungen für die eigenen Beschäftigten bauen lassen.

Foto: Christian Muhrbeck
Die „Informationsveranstaltung für Anwohner:innen“ am 11. Dezember 2025 ist gut besucht. Etwa 90 Teilnehmer:innen sitzen im Saal des Biergartens „Jockel“ in der Kreuzberger Ratiborstraße. Viele haben vor über fünf Jahren schon einmal an öffentlichen Diskussionen darüber teilgenommen, was aus dem Ratibor-Areal werden soll. Damals überlegte man, Geflüchtete in schnell errichteten Neubauten unterzubringen.
Die Nachbarschaft wollte Geflüchtete integrieren, stellte aber Ansprüche: Gefordert wurden guter, dauerhafter Wohnraum für die Ankommenden, anstatt sie in kleine Zimmer zu pferchen. Gleichzeitig machen sich die auf dem Areal Lebenden stark für die bestehenden Strukturen. Das Ratibor-Gelände ist kein Brachland, sondern Wirkungsstätte von über 20 Handwerksbetrieben und Ateliers. Außerdem vorhanden: ein Wagenplatz, eine Kita und der Biergarten, in dem am 11. Dezember über das Schicksal des Terrains verhandelt wird.
Wie alle zusammenrücken und bleiben können, war zwischenzeitlich schon vielfach besprochen worden. Auf dem Tisch hatte der Vorschlag gelegen, die Betriebe zu schützen, indem das Land Berlin das Grundstück der Eigentümerin, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), abkauft. Daraus war nichts geworden, genauso wie aus den Unterkünften für Geflüchtete.
Aktuell möchte die BImA hier nun Wohnungen für Bundesbeschäftigte bauen lassen. „Wir wollen, dass die Vielfalt der Nutzung erhalten bleibt“, erklärte Moritz Metz vom Areal Ratiborstr. 14 e.V. auf der Zusammenkunft im Dezember. Bernd Ballhause von der Bauschlosserei Kruppa erinnerte daran, „dass die Mietverträge der Betriebe wegen der ungeklärten Lage immer nur für ein Jahr verlängert werden“. Investieren, ausbessern, ausbilden – das wagt hier schon lange niemand mehr.
Carola Rönneburg
22.01.2026




