Mietenwahnsinn trifft auf Klimanotstand. Viele halten das für ein unlösbares Dilemma: Klimafreundliche Gebäudesanierungen treiben die Mieten hoch, und das politische Ziel bezahlbarer Mieten verhindert energetische Modernisierungen. Dieses Spannungsfeld hat Gloria Amoruso in einer wissenschaftlichen Arbeit am Beispiel Berlins untersucht.
Nach einer theoretischen Betrachtung des Problems werden zwei positive Praxisbeispiele beleuchtet. Die landeseigene Gesobau hat 2008 bis 2015 das Märkische Viertel im Stadtumbau-Programm mit Fördermitteln saniert. Dabei wurde zumindest annähernd eine Warmmietenneutralität erreicht, das heißt, die Heizkosteneinsparung war in etwa so hoch wie die modernisierungsbedingte Mietsteigerung. Die Gesobau rühmt das MV als „größte Niedrigenergiesiedlung Deutschlands“. Bei der 2014 bis 2018 durchgeführten Modernisierung der Gartenstadt Lichterfelde Süd hat die Genossenschaft Märkische Scholle nicht alle Kosten auf die Miete umgelegt, sondern teilweise querfinanziert. Die Warmmiete ist so um einen Euro pro Quadratmeter moderat gestiegen, der Energiebedarf enorm gesunken. Eine aufwendige Beteiligung der Bewohnerschaft hat für eine hohe Akzeptanz gesorgt. „Energetische Modernisierung im Gebäudebestand ist demnach im Sinne sozialer Wohnungspolitik nicht unbedingt ein Zielkonflikt“, folgert die Autorin.
js
27.10.2026




