Die börsennotierte Covivio möchte offenbar einen Mieter loswerden und hat ihm eine Auszugsprämie von 2500 Euro angeboten – so geschehen in einem sozialen Erhaltungsgebiet, das allerdings keinen besonderen Kündigungsschutz bietet.

Günther Orend aus der Provinzstraße 110 in Reinickendorf war verwundert und empört, als er im August dieses Jahres das Angebot zur „einvernehmlichen Beendigung des Mietverhältnisses“ gegen eine Zahlung von 2500 Euro erhielt. Im August 2023 hatte er eine Mieterhöhung bekommen, mit der die ortsübliche Vergleichsmiete gemäß Mietspiegel erheblich überschritten wurde. Begründet war sie mit Vergleichswohnungen. Weil seinerzeit kein qualifizierter Mietspiegel vorlag, war das zulässig. Orend unterschrieb, knüpfte seine Zustimmung aber an die Bedingung, dass Mahnbescheid und Klage wegen einer strittigen Mietminderung zurückgenommen werden. Nur wenige Wochen später erreichte den Mieter ein neues Schreiben der Covivio, in dem sie ihre Erhöhung von 15 auf 11 Prozent reduzierte. Hintergrund: Im September 2023 war bekannt geworden, dass das Unternehmen gegen Selbstverpflichtungen aus dem Mietenbündnis mit dem Land Berlin verstoßen hatte. Günther Orend hatte während all dem weiter seine ursprüngliche Miete bezahlt, denn eine Zustimmung unter Bedingungen ist rechtlich nicht haltbar, und dem zweiten Schreiben, der Mietreduzierung, hatte er bis dahin nicht zugestimmt. Daraufhin erhielt er im November 2025 eine fristlose Kündigung. Nachdem er nicht auf das Herauskaufangebot eingegangen war, kündigte die Covivio erneut und reichte Räumungsklage ein.
Senat und Bezirksamt lehnen ein Einschreiten ab. Seine Rechte müsse der Mieter zivilrechtlich durchsetzen. Aber: „Was ist der Status als Milieuschutzgebiet wert, wenn man gegen Verdrängung keinerlei Unterstützung bekommt?“, fragt sich der Mieter. Immerhin hat das Wohnungsamt Reinickendorf inzwischen ein Verfahren wegen Mietpreisüberhöhung nach Paragraph 5 Wirtschaftsstrafgesetz eingeleitet. Orend vermutet, dass es der Covivio darum geht, seine Wohnung umfassend zu modernisieren. Dann würde die Mietpreisbremse nicht greifen und die Wohnung könnte sehr viel teurer vermietet werden. So war es auch bei der Nachbarwohnung. Die Covivio wollte sich „aus Datenschutzgründen“ nicht zu dem Fall äußern.
Birgit Leiß
Kontakt: g.orend@gmx.de
27.10.2026




