Das „WoHo“ am Anhalter Bahnhof soll fast 100 Meter hoch werden. Jetzt hat das Bezirksparlament den Weg für das umstrittene Projekt freigemacht.

Foto: Mirka Pflüger
Das geplante Hochhaus „WoHo“ an der Schöneberger Straße am Anhalter Bahnhof hat eine wichtige Hürde genommen. Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg stimmte in einer Sondersitzung Anfang Juni für den Bebauungsplan und machte damit den Weg für das rund 98 Meter hohe Holzhybridprojekt frei.
Geplant sind 29 Geschosse und rund 18.000 Quadratmeter Nutzfläche. 60 Prozent sollen auf Wohnungen entfallen, 25 Prozent auf Gewerbe und 15 Prozent auf soziale Infrastruktur. Das Konzept will die traditionelle Berliner Mischung aus Wohnen, Arbeiten und öffentlichen Angeboten in die Höhe übertragen. Vorgesehen sind unterschiedliche Wohnformen, darunter Angebote für soziale Träger, Studierende und Menschen mit Demenzerkrankungen. Die Wohnungen sollen zu jeweils einem Drittel mietpreisgebunden, freifinanziert und als Eigentum angeboten werden. In den Sockelgeschossen sind unter anderem Läden, Cafés, Ateliers, eine Kiezkantine, eine Kita und Räume für die Nachbarschaft geplant. Begrünte Höfe, öffentliche Wege und Dachflächen sollen das Gebäude mit dem Umfeld verbinden. Auf dem Dach des Hauptturms ist ein öffentlich zugänglicher Bereich mit Blick über Berlin vorgesehen. Geplant sind außerdem Fahrradgaragen, Carsharing und E-Ladestationen. Befürworter sehen im „WoHo“ ein Modell für sozialen und ökologischen Hochhausbau. Für Mieter wird entscheidend sein, wie viele Wohnungen tatsächlich mietpreisgebunden entstehen und zu welchen Bedingungen sie angeboten werden. Ein jetziger Unterpächter auf dem Grundstück sieht das Vorhaben zwiespältig: „Zum einen gefällt mir das Projekt, aber zum anderen werde ich davon verdrängt, und in der jetzigen Lage werde ich im Innenstadtbereich nie wieder unterkommen.“
Stefan Klein
23.09.2026




