Für den Umbau eines leerstehenden Verwaltungsgebäudes zu einem Wohnhaus in der Frankfurter Allee 216 gab es 2012 von allen Seiten Lob. Man wolle für Menschen mit wenig Geld „Discount-Wohnungen“ anbieten, erklärten die beiden Investoren damals. Doch von günstigen Mieten kann im „Q 216“ keine Rede sein.

Foto: Sabine Mittermeier
Rund 450 kleine Apartments gibt es in dem neungeschossigen Plattenbau in Lichtenberg. 524 Euro warm kostet eine 25 Quadratmeter große Wohnung, 35 Quadratmeter sind für 695 Euro zu haben. „Zu viel“ finden die Mieter:innen, zumal es zahlreiche Missstände gibt: von einer nicht erreichbaren Hausverwaltung über defekte Türen bis hin zu Kakerlaken im Flur. Unterstützt von der Mieter*innengewerkschaft Berlin begannen sie 2024, sich zu organisieren. Direkte Gespräche mit den beiden Eigentümern verliefen zunächst konstruktiv, wurden dann aber wegen „abenteuerlicher Rechtsauffassungen“ vom Vermieter abgebrochen. Ein geplantes Hauspicknick wurde per Anwalt verboten.

Foto: Mieter*innengewerkschaft
Hauptkritikpunkt sind die hohen Mieten. Mehr als 50 Rügen wegen Verstoßes gegen die Mietpreisbremse wurden inzwischen bei der Hausverwaltung abgegeben. Sechs Klagen wurden eingereicht. „Das ist ein großer Erfolg und war nur durch unser gemeinsames Vorgehen möglich“, sagt eine Mieterin. Selbst wenn man nicht das Baujahr 1979, sondern das Jahr des Umbaus (2012) zugrunde legt – das entspricht der Rechtsprechung – ist die ortsübliche Vergleichsmiete nach Überzeugung der Hausgemeinschaft weit überschritten. Sie dürfte nach ihren Berechnungen bei 11 bis 13 Euro netto pro Quadratmeter liegen. Presseberichten zufolge hält die Eigentümerfirma „Ulrich & Lakomski Real Estate GmbH & Co. KG“ den obersten Spannenwert im Mietspiegel von 16,75 Euro für gerechtfertigt. Auf eine Anfrage des MieterMagazin wurde nicht reagiert. Ein weiterer Stein des Anstoßes ist, dass die Wohnungen im Durchschnitt offenbar 10 Prozent kleiner sind als im Mietvertrag angegeben. Hauptforderung der Mieterschaft ist daher die Senkung der Kaltmiete sowie die Anpassung der Warmmiete an die tatsächliche Wohnungsgröße.
Birgit Leiß
mg-berlin.org/vernetzungen/q216
26.05.2026




