Ein Kiezspaziergang der Initiative „Pankow gegen Verdrängung“ führte am 20. März an Häusern vorbei, in denen möblierte Kurzzeitvermietungen die Nachbarschaft zerstören.

Foto: Christian Muhrbeck
„Seit Inkrafttreten der Mietpreisbremse haben möblierte Kurzzeitvermietungen eklatant zugenommen“, berichtete Wibke Werner, Geschäftsführerin des Berliner Mietervereins, vor dem Start des Kiezspaziergangs. Weil die Mietpreisbremse bei „Vermietungen zum vorübergehenden Gebrauch“ nicht gilt, werden Begrenzungen der Mietdauer oft von den Vermietenden in die Mietverträge geschrieben – auch wenn die Mieter:innen unbefristet wohnen wollen. Mit ein paar Möbeln lässt sich die Miete noch um einen undefinierten Möblierungszuschlag erhöhen. „Die Wohnungsnot wird ausgenutzt“, so Wibke Werner.
Der Spaziergang führte unter anderem in die Raumerstraße 28/29. Das Haus wurde nach Auslaufen der Sozialbindung ein zweites Mal teuer modernisiert und in Eigentumswohnungen umgewandelt. Mehrere Wohnungen wurden möbliert und befristet vermietet. „Wir kennen die Leute nicht mehr, die hier wohnen“, sagte ein langjähriger Mieter, der fürchtet, nach Ablauf der Sperrfrist 2028 wegen Eigenbedarfs gekündigt zu werden.

Foto: Christian Muhrbeck
„Wir werden mit Kaskaden von Abmahnungen, Eigenbedarfskündigungen und fristlosen Kündigungen mit vorgeschobenen Gründen überzogen“, berichtete ein Mieter aus der Christburger Straße 35. Die meisten Mieter:innen wohnen schon über 20 Jahre im Haus, und es sieht sehr danach aus, dass sie für lukrativere Neuvermietungen hinausgedrängt werden sollen. „Wir fühlen uns malträtiert“, so der Mieter.
Von einem krassen Fall berichtete ein Mieter aus der Greifenhagener Straße: Über die Plattform „Housing Anywhere“ hat er unter dubiosen Umständen eine möblierte Wohnung zu einer Warmmiete von 2400 Euro für ein Jahr angemietet. Nach Ablauf des Jahres wurde ein Folgemietvertrag für ein weiteres Jahr mit einer Miete von 3300 Euro angeboten. Als der Mieter dann einen Verstoß gegen die Mietpreisbremse rügte, überzog ihn der Vermieter mit Drohungen und einer Räumungsklage.
Pankows Baustadtrat Cornelius Bechtler (Grüne) hat gegen den Vermieter Strafanzeige gestellt, weil dieser ihm gefälschte Mietverträge vorgelegt hat. Er fordert schärfere Gesetze, um gegen das „systematische Verdrängungsgeschäft“ härter durchgreifen zu können. „Es ist eine Schande, dass so etwas in dieser Stadt möglich ist“, so Bechtler. „Da geht das Vertrauen in die Demokratie verloren.“
Jens Sethmann
20.04.2026




