MieterMagazin

 Dezember 2003 - aktuell

Mikrozensus 2002

Wie wohnt der Hauptstädter?

Die statistische Umfrage unter den Berliner Haushalten im April 2002 gibt Einblick in die aktuelle Wohnsituation der Stadt. Wie teuer, auf welcher Fläche, wie lange wohnt man unter anderem also - im Durchschnitt und im Speziellen - in Deutschlands größter Mieterstadt?

Im April 2002 gab es insgesamt 1868800 Wohnungen in der Hauptstadt, die unzweifelhaft eine Mieterstadt ist. Denn der weitaus größte Teil, 1441600 davon, werden von Mietern bewohnt. Der Anteil der Eigentumswohnungen beläuft sich bislang nur auf 186400, von denen wiederum 102800 vermietet sind. Bemerkenswert ist jedoch die Entwicklung der letzten vier Jahre: Seit 1998 hat sich die Zahl der Eigentumswohnungen um 46 Prozent erhöht und - ebenso auffällig - mittlerweile wird nicht mehr der überwiegende Teil von den Eigentümern selbst bewohnt, sondern vermietet.

Durchschnittlich sind in Berlin die Mietwohnungen 66,4 Quadratmeter groß, wobei die Wohnungen im Westteil der Stadt geringfügig um zwei Quadratmeter größer ausfallen als im Ostteil. Rein statistisch lebt jeder Einwohner in Berlin auf 38,3 Quadratmetern, wobei in Eigentumswohnungen 8,5 Quadratmeter mehr pro Person zur Verfügung stehen. Auf weniger als 40 Quadratmetern lebt man in knapp 140000 Wohnungen in Berlin, über eine Million Wohnungen liegen im mittleren Größenbereich zwischen 40 und 80 Quadratmetern. In 112600 Wohnungen hat man dagegen über 120 Quadratmeter zur Verfügung, tendenziell findet sich in diesem Segment auch der höchste Eigentümeranteil.

Die Mieten in den östlichen Bezirken haben inzwischen fast Westniveau erreicht. Pro Monat müssen im Schnitt 385 Euro als Bruttokaltmiete für eine Wohnung gezahlt werden, was einem Quadratmeterpreis von 5,81 Euro entspricht. Hierbei jedoch gibt es ein erhebliches Gefälle zwischen den Wohnungen, die vor oder nach 1991 gebaut wurden: So zahlt man 370 Euro in Wohnungen, die bis 1990 fertig gestellt wurden, liegt also relativ nahe am Durchschnittswert.

Für die jüngsten Wohnungen der letzten zehn Jahre aber sind 568 Euro monatlich zu zahlen. Laut Mikrozensus wohnen die Mieter im Bezirk Steglitz-Zehlendorf am teuersten, die Bruttokaltmiete beträgt dort im Schnitt 6,34 Euro pro Quadratmeter. Am billigsten wohnt man in Neukölln, wo Mieter 5,50 Euro zahlen müssen.

Die Einpersonenhaushalte, die mit über 730000 Haushalten den Status Berlins als Single-Hochburg untermauern, geben hierbei laut Statistik durchschnittlich über ein Viertel ihres Einkommens für die Miete aus. Dahinter verbergen sich aber auch jene 24 Prozent, die mehr als ein Drittel allein für die Miete aufwenden müssen. Bei 8,6 Prozent schluckt der Mietanteil sogar mehr als 50 Prozent des Einkommens. Und unter den Erwerbslosen muss sogar mindestens jeder siebte mehr als 50 Prozent für die Miete aufbringen. Im Schnitt müssen in Berlin die Zwei- und Dreipersonenhaushalte rund 19 Prozent ihres Einkommens für die Wohnung ausgeben, die übrigen etwa 21 Prozent.

Auch wie in den Wohnungen geheizt wird, hat die Statistiker interessiert. Im Hinblick auf die ökologische Entwicklung einer Großstadt ist das durchaus von Bedeutung. In fast allen Berliner Bezirken sind 90 Prozent der Wohnungen mit einer Sammelheizung ausgestattet, das heißt, es wird mit Öl, Gas oder Fernwärme geheizt, wobei die Fernwärme generell - und in den Bezirken Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf insbesondere - den größten Anteil innehat. Mit Kohle wird lediglich in 58400 Haushalten geheizt, wobei in Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow in rund 10 Prozent aller Wohnungen noch ein Kohleofen steht, gefolgt von Mitte und Spandau mit 8,5 Prozent.

Bemerkenswert ist, dass in über einem Fünftel aller Berliner Mietwohnungen die Bewohner schon vor 1981 eingezogen sind. Und diese 310000 "wohnungstreuen" Haushalte zahlen auch die geringste Durchschnittsmiete, die bei 357 Euro bruttokalt liegt. Die höchsten Mieten mit 410 Euro zahlen die Einzügler von 1999/2000, wer dagegen seit 2002 eine neue Wohnung hat, liegt wieder bei 399 Euro - im Schnitt!

Sabine Schuster

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Wenig überraschend: Am teuersten wohnt es sich im noblen Westbezirk Zehlendorf
Foto: Paul Glaser

 Kurz erklärt

Der Mikrozensus
Die amtliche Umfrage wird einmal im Jahr exakt innerhalb einer Woche erhoben. Stichprobenartig ist dann ein Prozent aller Haushalte dem Statistischen Landesamt gegenüber zur Auskunft über seine wirtschaftliche und soziale Lage verpflichtet. Im Jahr 2002 wurden zusätzlich Zahlen zur Wohnsituation ermittelt, zuletzt waren diese Daten 1998 abgefragt worden. Die Daten werden zur "Darstellung politischer, gesell-schaftlicher, wirtschaftlicher und ökologischer Zusammen-hänge" aufbereitet.
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