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Befindet sich die Wohnungspolitik am Beginn einer neuen Ära? Für Armin Hentschel, den Leiter des Berlin-Potsdamer Instituts für Soziale Stadtentwicklung, besteht historisch die einmalige Chance, über bedarfsgerechtes und sozial integrierendes Wohnen zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu kommen. Die Marktsättigung macht es möglich. Die Versorgung der meisten Bürger des Landes ist gesichert. Nun kann der qualitative Aspekt in den Vordergrund rücken - eine zweifellos wichtige Aufgabe, die die Wohnungspolitik von Bund und Ländern in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt hat.
Die Lösungen von damals sind zumindest teilweise die Probleme von heute. Konzentrierter Wohnungsleerstand in unattraktiven Gebäuden und Wohnanlagen, Rückbau und sogar Abriss in Großsiedlungen, Problemquartiere im innerstädtischen Bereich, Zersiedlung an der Peripherie und übermäßige Verkehrsbelastung als Folge, das sind die Anforderungen, denen sich heutige Wohnungspolitik stellen muss. Dabei kämpft diese auch gegen ihre eigene Bedeutungslosigkeit, die ihr immer wieder vor allem von den Wachstumsideologen attestiert wird. Zu Unrecht, findet Armin Hentschel. Denn immerhin kommt zur Bewältigung der genannten Probleme eine stark veränderte Nachfragestruktur, die einen erheblichen Anpassungs- und Reformbedarf beim Wohnungsangebot hervorruft. Mietmasse und Eigenheimklasse, das Zusammenspiel und Gegeneinander dieser beiden Wirkungsfelder ist ein Schwerpunkt des Buches. Dabei geht es Hentschel nicht um eine Philippika gegen das Eigentum, "sondern um die damit üblicherweise verknüpften Siedlungs-, Haus- und Wohnformen. Der bislang mengenorientierte Wohnungsbau müsse von den eigentumstypischen Wohnformen lernen. Kein leichtes Unterfangen, da eine Trendwende im Stadtumbau bei bestehenden Gebäuden erfolgen muss. Doch die Umsetzung neuer Politik mit dem Maßstab der Nachhaltigkeit, gegen die soziale, ökonomische und kulturelle Aushöhlung der Kernstädte wie gegen die Zersiedlung scheitert nicht nur an den Kommunen und der Eigenheimzulage, sie wird tagtäglich von den Konsumenten mit Füßen getreten. Dabei macht der Autor zum einen klar, "dass neue Wohnungspolitik als kollektive Entziehungskur keine Chance hat", andererseits aber "wohlstandsgenährte Weintrinker" weniger Wasser predigen sollten. In fünf auch für sich stehenden Abschnitten nähert sich der Autor den aufgeworfenen Fragen. Im Zentrum steht die Bewertung der Wohnungspolitik und die Kernfrage nach Miete oder Eigentum. Abhandlungen über den Wohnungs- und Städtebau im Informationszeitalter, die Baukultur samt Architekten als Produzenten und den Wohnungsbau zwischen Markt und Umweltschutz runden die Debatte um aktuelle Auseinandersetzungen beim Wohnen ab.
Reiner Wild
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