MieterMagazin

 Dezember 2001 - aktuell

DIW untersuchte Mietentwicklung

Immer mehr Geld für die Miete

Statistik ist nicht nur die Kunst der Erhebung und Sammlung von Zahlen und deren Analyse, sondern oftmals auch eine Ausgangsbasis für recht abenteuerliche Interpretationsversuche. "Anstieg der Mieten zum Stillstand gekommen", überschreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) optimistisch seinen Wochenbericht 41/2001, muss aber am Ende des umfangreichen Zahlenwerkes eingestehen, dass die Wohnkostenbelastung für Mieter in den letzten Jahren stark gestiegen ist.

Die neuesten Ergebnisse des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) am DIW lassen auf den ersten Blick die Hoffnung aufkommen, Deutschland wäre eines der mieterfreundlichsten Länder der Erde: In Westdeutschland sind die Mieten im vergangenen Jahr nur noch gering, in Gesamt-Deutschland gar nicht mehr gestiegen. Die Wohnzufriedenheit der Hauptmieter in Ostdeutschland ist mittlerweile fast ebenso hoch wie in Westdeutschland. Die durchschnittliche Bruttokaltmiete betrug im Jahr 2000 11,41 DM pro Quadratmeter, in den neuen Ländern 10,08 DM. Bei Neubauten, die seit 1991 errichtet wurden, bestehen hingegen kaum noch Unterschiede in der Miethöhe - trotz der immer noch vorhandenen gravierenden sozialen Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern. Die Einkommenssituation ist in den neuen Bundesländern noch immer schlechter: Das Haushaltsnettoeinkommen erreicht lediglich 81 Prozent des westdeutschen Vergleichswertes.

Während in Westdeutschland im vergangenen Jahr 5 Prozent aller Mieterhaushalte Wohngeld erhielten, waren es in Ostdeutschland doppelt so viele. Das DIW geht allerdings davon aus, dass mit der Wohngeldreform, die Anfang 2001 in Kraft getreten ist, mehr einkommensschwache Haushalte in Westdeutschland wohngeldberechtigt werden und so auch hier die überdurchschnittlichen Mietbelastungsquoten der einkommensschwachen Haushalte sinken werden. Generell haben einkommensschwächere Haushalte - Alleinerziehende, Rentner und Arbeitslose - weit überdurchschnittliche Mietbelastungsquoten. Am höchsten ist sie mit 41 Prozent bei Haushalten, die Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Das DIW kommt nicht umhin, sowohl für Ost- wie auch für Westdeutschland eine "ausgeprägte Zunahme der Wohnkostenbelastung" zu konstatieren. Das bewirke rezessionsfördernde Einschränkungen der Konsumausgaben und eine Verringerung der Sparquote.

Rainer Bratfisch

 Zitiert

Annäherung
"Die Angleichung der Mieten zwischen Ost- und Westdeutschland ist im Zeitraum 1994 bis 2000 rasch vorangekommen. Zehn Jahre nach der Vereinigung haben sich die Wohnverhältnisse in Ostdeutschland denen in Westdeutschland mehr und mehr angenähert."
DIW-Wochenbericht 41/2001

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