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Das geplante Biomassekraftwerk in Rudow soll den Mietern in der Gropiusstadt nicht nur bis zu 30 Prozent günstigere Energie liefern, sondern auch die Luftqualität im Süden Berlins deutlich verbessern. Bei den Anwohnern rund um die Kanalstraße herrscht jedoch dicke Luft: Sie befürchten, dass die Anlage ihnen Schadstoffemissionen und erhöhten Lkw-Verkehr im Wohngebiet beschert. Derzeit wird geprüft, ob diese Sorgen berechtigt sind.
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"Wir sind nicht generell gegen ein Biomasseheizkraftwerk", beteuert Rene Engelmann von der Bürgerinitiative, zu der sich rund 50 Betroffene - meist Eigenheimbesitzer - zusammengeschlossen haben. "Aber wir sind dagegen, dass es in einem Wohngebiet gebaut wird." Das sieht Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) ein wenig anders: "Natürlich müssen die berechtigten Interessen der Anwohner gewahrt bleiben, aber das Kraftwerk wird mitnichten mitten in einem Wohngebiet, sondern in einem bereits bestehenden Industriegebiet errichtet, das an das Wohngebiet angrenzt." Rund 5000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative laut eigenen Angaben gesammelt. Diese wurden am 18. September dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) überreicht.
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Das Biomassekraftwerk soll das Rudower Kohlekraftwerk der Bewag ablösen. Es produziert wesentlich weniger Kohlendioxid als die alte Anlage und sei somit eine Verbesserung, argumentiert Markus Süßmann von der Betreibergesellschaft "Harpen EKT". Ab 2003 will die RWE-Tochter die Wärmeversorgung zunächst mit einem Gaskraftwerk übernehmen. Der normale Wärmebedarf soll ab 2004 jedoch von einer Holzverbrennungsanlage gedeckt werden, die Gaskesselanlage lediglich an frostigen Tagen zugeschaltet werden.
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Das System arbeitet mit Kraft-Wärme-Kopplung, so dass ganz nebenbei auch noch Strom erzeugt werden kann. Die Technologie wird gemäß dem "Erneuerbare-Energien-Gesetz" öffentlich gefördert. Das macht die produzierte Energie für die Endabnehmer unterm Strich deutlich billiger: "Die Energiekosten können dank des neuen Kraftwerks bei den Mietern der Gropiusstadt um rund 30 Prozent gesenkt werden", hat Zbinigniew Kopowski errechnet. Er ist technischer Geschäftsführer der "GbR Fernheizung Gropiusstadt", die für das Energiemanagement der dortigen Wohnungsbauunternehmen zuständig ist. Über 20000 Wohnungen sollen künftig von dem Heizkraftwerk versorgt werden.
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Doch nicht zuletzt wegen der Holzverbrennung gehen die Anwohner der Kanalstraße auf die Barrikaden: Neben Frischholz aus den Brandenburger Wäldern soll nämlich auch Altholz aus Möbeln und Baustellen verheizt werden. Ob die Anlage Schadstoffe wie Lacke und Imprägnierungen tatsächlich herausfiltert, bezweifelt die Bürgerinitiative. Süßmann hingegen verweist auf die gesetzlich festgelegten Schadstoffgrenzwerte, die die 17. Bundesemissionsschutzverordnung vorschreibt und an die auch das Biomassekraftwerk gebunden ist. Diese Grenzwerte gehören zu den derzeit strengsten Richtlinien, bestätigt Bernd Rose, Umweltingenieur der Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung. Ein weiterer Kritikpunkt der Anwohner: Ein Teil des benötigten Brennholzes soll mit Lkws angeliefert werden. Wie viele Brummis täglich das Wohngebiet passieren werden, ist umstritten. 95 Lastkraftwagen täglich sieht die Bürgerinitiative auf sich zurollen. Süßholz veranschlagt insgesamt maximal 35 Fahrzeuge täglich. Ob und wie die geplante Anlage gebaut werden darf, prüft derzeit das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin.
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Lars Klaaßen
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Anwohner fürchten Lärm
und Emissionen: geplantes Biomassekraftwerk in Rudow
Modell: Harpen EKT
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Zur Sache
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Das erste Biomasse-
kraftwerk Berlins
Für die Wärmeversorgung der Gropiusstadt ist ein Holz-Heizkraftwerk geplant, des-sen jährlicher Kohlendioxid-Ausstoß um mehr als 235000 Tonnen gegenüber der jetzi-gen Versorgung verringert werden soll. Neben mehr als 20000 Wohneinheiten wer-den auch öffentliche Ein-richtungen, Einkaufszentren und ein Krankenhaus künftig von der Anlage versorgt. Insgesamt müssen jährlich 360000 Megawattstunden in die Gropiusstadt über das Netz der GbR Fernheizung Gropiusstadt geliefert werden. Die Wärmelieferung soll am 1. Mai 2003 beginnen.
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