|
Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) in Bonn befragt seit Jahren Mieter in den alten und neuen Bundesländern nach ihren Vorstellungen in Bezug auf Wohnwert, Wohnumfeld und Lebensweise. Zwölf Jahre nach der deutschen Einheit gibt es noch immer gravierende Unterschiede zwischen Ost und West, aber die Gemeinsamkeiten nehmen zu.
|
|
|
|
Die Wahlkampfmanager aller Parteien hätten sich im Vorfeld der Bundes-tagswahl ganze Kisten voller Argumente beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung holen können. Das hätte allerdings den Ausgang der Wahl nicht entscheidend beeinflusst, denn die aktuellen Untersuchungen der rührigen Bonner Raumordner und Sozialwissenschaftler strafen mal die eine, mal die andere Seite Lügen. Es wächst offenbar doch einiges zusammen: Die Gewichtung grundlegender Wertorientierungen und Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Arbeit und Ausbildung nähern sich in Ost und West stark an. So stehen die Umweltqualität und die öffentliche Sicherheit bundesweit an erster Stelle für Frauen und Männer, Groß- und Kleinstädter, Jung und Alt. Auch wenn die Wohnfläche pro Kopf im Westen noch immer größer als im Osten ist - die Differenz hat sich von 14 Quadratmetern im Jahre 1990 bis heute fast halbiert (West: 48, Ost 40 Quadratmeter). Die Zufriedenheit mit der verfügbaren Wohnfläche fällt trotz des noch vorhandenen Unterschieds im Osten deutlich positiver aus als im Westen, das gilt auch für die Lebensqualität im Wohnquartier - das Bild vom "Mecker-Ossi" bedarf also zumindest in diesen Punkten dringend einer Revision.
|
|
|
|
Auch die Ausstattung der Wohnungen mit Zentralheizung, Warmwasserversorgung, Innen-WC und Bad/Dusche hat sich nahezu angeglichen. Zusätzliche Qualitäten wie Balkon, Garten oder Gäste-WC sind allerdings mit 66, 35 und 16 Prozent im Osten noch weitaus seltener. Über 70 Prozent der Mieter in den neuen Bundesländern bezeichnen heute ihre Miete als "angemessen". Beurteilte 1991 nur knapp ein Drittel der Befragten den Zustand ihres Gebäudes als "gut", so sind heute 75 Prozent der Mieter damit zufrieden (West: 78 Prozent).
|
|
|
|
Allerdings ist in Bezug auf die wirtschaftliche Lage und die Sicherheit des Arbeitsplatzes im Osten seit zwei Jahren ein deutlicherer Abschwung zu verzeichnen als im Westen. So halten im Osten nur etwa 69 Prozent der Befragten ihren Arbeitsplatz für sicher, im Westen dagegen 86. Als einen entscheidenden Ost-West-Unterschied machte das BBR die "generell hohe Abwanderungsbereitschaft junger Menschen wegen Beruf und Ausbildung" aus. Trotzdem kommt Referatsleiter Dr. Ferdinand Böltken vom BBR zu dem Schluss: "Die Lebensbedingungen in Ost und West haben sich in erstaunlicher Weise angeglichen."
|
|
|
|
Rainer Bratfisch
|
|
|
|