MieterMagazin

 Oktober 2002 - aktuell

Ausstellungs-Tipp

Fußgängerfreundliches Berlin?

"Wir sind alle Fußgänger, das wird oft vergessen." Mit diesen Worten eröffnete die Berliner Verkehrsstaatssekretärin Maria Krautzberger im Rathaus Mitte die Ausstellung "Berlin auf dem Weg zu einer fußgängerfreundlichen Stadt?", die in den kommenden Monaten durch alle Bezirke wandert.

Die vom Fußgängerschutzverein "FUSS e.V." erarbeitete Ausstellung zeigt nachahmenswerte Beispiele aus allen Stadtteilen: vom "Rundum-Grün" an der Kreuzung Friedrichstraße/Kochstraße, das sich nach Anfangsschwie-rigkeiten mittlerweile eingespielt hat, bis zur Flaniermeile Kastanienallee in Hellersdorf. Hervorgehoben werden die breiten Bürgersteige in Charlotten-burg, großzügige Gehwegvorstreckungen in Prenzlauer Berg, ampel-unterstützte "Zeitinseln", die in Hohenschönhausen ein gefahrloses Ein- und Aussteigen an den Straßenbahnhaltestellen ermöglichen, und nicht zuletzt die flächenhafte Verkehrsberuhigung in Moabit aus den 80er Jahren.

"Wenn sich diese hoffnungsfrohen Ansätze vermehren und sich Modell-vorhaben und positive Beispiele zu einem Gesamtsystem vernetzen, dann kann Berlin zu einer fußgängerfreundlichen Stadt werden", hofft Bernd Herzog-Schlagk, Bundesgeschäftsführer des FUSS e.V. "Wir sehen die Ausstellung als Anregung", sagt Maria Krautzberger für die Senatsver-waltung. "In Berlin wird vergleichsweise viel zu Fuß gegangen." Täglich werden in der Stadt drei Millionen Wege auf Schusters Rappen zurückgelegt. "Wir wollen das fördern und weiterentwickeln", so die Staatssekretärin. Im Haushalt habe man immerhin eine Million Euro für den Fußgängerverkehr "gerettet", damit können jährlich 40 neue Zebrastreifen angelegt werden.

"Wir unterstützen das Zebrastreifen-Programm der Landesregierung tatkräftig", erklärt Bernd Herzog-Schlagk, "werden den ‚grünen Pfeil' und die vielen fußgängerfeindlichen Ampelschaltungen aber weiter bekämpfen." Der Lärmpegel in der Stadt sei oft unerträglich und der öffentliche Verkehr diffus und zuweilen abschreckend. "Das ist also kein Harmoniegedusel, wenn wir hier einmal nur positive Beispiele darstellen", sagt der Fußgänger-Lobbyist.

Reinhard Kaiser vom Bundesumweltministerium findet die Wanderausstellung so ermutigend, dass er hofft, sie werde später auch außerhalb Berlins gezeigt. Zunächst wird sie aber in den Bezirksrathäusern und in Bahnhöfen zu sehen sein: bis zum 2. Oktober im Rathaus Mitte, Karl-Marx-Allee 31, gleich anschließend im Bahnhof Alexanderplatz.

Jens Sethmann

Bei Klick: Vergrößerung des Fotos

Foto: Maik Jespersen

nach oben auf dieser Seite    zurück zur letzten Seite    diese Seite drucken    diesen Artikel versenden als E-Mail    zur Startseite Berliner Mieterverein online

Copyright: Berliner Mieterverein e.V., Wilhelmstraße 74, 10117 Berlin