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Die Geschichten, die ein Haus erzählt, sind so vielfältig wie seine Bewohner. Sie können aber auch schnell zu Horrorgeschichten oder zu unendlichen Geschichten mutieren. Das Haus Reichenberger Straße 72 a in Kreuzberg könnte sogar eine unendliche Horrorgeschichte erzählen.
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Als Manuela Kay 1985 in das Gründerzeithaus in der Reichenberger Straße zog, waren mehrere Wohnungen gesperrt, andere besetzt, es gab diverse Brand- und Löschwasserschäden, und bis in den zweiten Stock hinauf tummelten sich die Ratten. Trotzdem: Sie wollte von Anfang an ein langfristiges und solides Mietverhältnis. Da kam ihr auch die Sanierung Anfang der 90er Jahre recht. Sie konnte ihre Wünsche in Bezug auf den Grundriss ihrer Wohnung und auf ihre Ausstattung äußern, und nach einigen Monaten in einer Umsetzwohnung kehrte sie 1993 in ihre sanierte Wohnung zurück.
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Bald zeigten sich allerdings erste Mängel. Obwohl damals noch reichlich öffentliche Gelder in die Sanierung flossen, waren offensichtlich ausschließlich billige Baustoffe verwendet worden. Zum Beispiel ist das Holz der Dielen so weich, dass hochhackige Schuhe und selbst die Stühle Eindrücke hinterlassen. Eine Trittschalldämmung wurde "vergessen". Die Leitungen für Wasser und Abwasser wurden so unsachgemäß verlegt, dass bald die ersten Wasserschäden auftraten. Bisher zwölfmal hatte zum Beispiel Frau Kay in ihrer Wohnung fließendes Wasser aus Wänden und Decke, zweimal musste ihre Küche in den letzten neun Jahren wegen Mängeln komplett renoviert werden. Als "Souvenir" hinterließen ihr die Handwerker beim letzten Mal ein großes Loch in der Wand. Oder ahnten sie, dass sie bald wiederkommen würden? Die Hausverwaltung hatte ihr zugesagt, dass sie den Strom für das Trocknungsgerät, das die Handwerker in ihrer Küche aufgestellt hatten, erstattet bekäme. Als sie den Betrag - 80 DM damals - dann von ihrer Miete abzog, drohte die Hausverwaltung mit einer Klage - ihr "Wohlwollen und Entgegenkommen" sei erschöpft. Inzwischen hat Frau Kay drei Erste Mahnungen bekommen.
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Auch im Keller und im Treppenhaus breitet sich der Schimmel aus. Ein nicht mehr benötigter Schornstein ist im Kellerbereich so versottet, dass er mit seiner rostbraunen Farbe fast schon wieder attraktiv aussieht. Im Treppenhaus des Hinterhauses klafft im Installationsschacht mittlerweile ein großes Loch. Nach zehn Jahren schreien auch die Holzfenster nach einer neuen Lackierung. Die Aufzählung der Mängel ließe sich fortsetzen.
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Der Besitzer des Hauses hat die Egelhofer Immobilienbetreuung GmbH in der Trautenaustraße mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt. Sie verwaltet unter anderem auch die Häuser Köpenicker Straße 10 und Pannier-/Ecke Pflügerstraße. Auch dort gibt es Beschwerden der Mieter. Die Mitarbeiterin der Verwaltung von Egelhofer, eine Frau Hahn, ist auf die Mieter nicht gut zu sprechen. Sie kenne Mieter, die wohl "goldene Wasserhähne" für ihre Sozialwohnungen erwarteten. Viele der Schäden seien durch Fremd- sprich Mietereinwirkung entstanden, offensichtliche Mängel wie in der Reichenberger Straße längst behoben. Begründete Mietminderungen, die die Mieter sich "auspfriemeln", kann und will sie nicht akzeptieren - auch wenn solche zwischen ihren Mitarbeiterinnen und den Mietern vereinbart wurden. Der Mieter als reine Geldquelle - dieses Denken ist offensichtlich noch immer weit verbreitet.
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Rainer Bratfisch
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Mangel folgte auf Mangel
in der sanierten Reichenberger Straße 72 a:
offener Installationsschacht
im Treppenhaus
Foto: Maik Jespersen
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