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Im Bundeswettbewerb Stadtumbau Ost hat das Stadtteilentwicklungskonzept für Marzahn-Hellersdorf einen ersten Preis gewonnen. Doch nur wenige Tage nach der Preisverleihung kamen Pläne der Wohnungsbaugesellschaft Marzahn an die Öffentlichkeit, die - ganz im Gegensatz zum Umbau-Programm - in großem Stil Wohnungsabrisse vorsehen.
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"Marzahn-Hellersdorf gewinnt ersten Preis beim Bundeswettbewerb Stadtumbau Ost", vermeldete stolz die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Unter 269 eingereichten Umbaukonzepten aus allen Ost-Bundesländern ist das Stadtteilentwicklungskonzept der Berliner Großsiedlung von der Jury mit dem ersten Preis ausgezeichnet und mit 50000 Euro belohnt worden. Was die Senatsverwaltung verschweigt: Es wurden insgesamt zehn erste Preise vergeben, Berlin ist also keineswegs so einsame Spitze. Von den zehn aus der Hauptstadt eingereichten Konzepten schaffte kein weiteres den Sprung auf die zehn Plätze im zweiten Rang oder unter die 14 Drittplatzierten. Die Stadt Berlin ist also unter den Preisträgern nicht gerade übermäßig vertreten.
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Ziel des Bund-Länder-Programms Stadtumbau Ost ist die Stabilisierung von Kommunen und Stadtteilen mit hohem Leerstand. Dazu sollen einerseits öffentliche Räume aufgewertet, andererseits "nicht mehr benötigte" Schulen, Kitas und auch Wohnungen abgerissen werden.
"Die Entscheidung zeigt, dass unsere bisherigen Ansätze richtig sind", freut sich Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) über die Auszeichnung. "Berlin soll in allen seinen Stadtbereichen schön und wohnlich werden und bleiben. Dabei verliert der Abriss einzelner Gebäude seinen Schrecken."
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Die Auszeichnung von Marzahn-Hellersdorf bedeutet nicht, dass alle Berliner Stadtumbau-Gelder in diesen Bezirk fließen. Schon zwei Wochen vor der Wettbewerbsentscheidung legte der Senat die Gebiete fest, die von den Fördergeldern profitieren können. Zu dieser Förderkulisse gehören nicht nur alle zehn Stadtteile, die am Bundeswettbewerb teilgenommen haben, sondern generell die Großsiedlungen des komplexen Wohnungsbaus, die Sanierungsgebiete und die Quartiersmanagementgebiete im Ostteil der Stadt. Ost-Berlin soll also fast flächendeckend bedacht werden.
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Wenn überall Fördergelder ankommen sollen, müssten sie auf Grund der bescheidenen Finanzausstattung spärlich verteilt werden. In diesem und im nächsten Jahr stehen in Berlin jeweils nur 10 Millionen Euro für Aufwertungsmaßnahmen und 13,5 Millionen Euro für Abrisse zur Verfügung. In diesem Jahr sollen hauptsächlich leer stehende Schul- und Kitagebäude abgerissen werden.
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Ungeachtet dessen plant die Wohnungsbaugesellschaft Marzahn (WBG) mit Rückendeckung der Senatsverwaltung umfangreiche Wohnungsabrisse. Bis zum Jahr 2009 sollen rund 2800 Wohnungen "zurückgebaut" werden: Neben dem schon bekannten Hochhaus Marchwitzastraße 1/3 betrifft das das baugleiche Haus Oberweißbacher Straße 2/4, den ebenfalls unsanierten Elfgeschosser Niemegker Straße 17-23 und zwei weitere Gebäude in der Karl-Holtz-Straße und der Havemannstraße. 60 Millionen Euro soll das Abrissunterfangen kosten.
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"Die Veröffentlichung von Abrissadressen ist eine gezielte Strategie zur Stigmatisierung der betroffenen Häuser", kritisiert Reiner Wild, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Berliner Mieterverein. Die Mieter würden bewusst verunsichert. Ziel des Stadtumbaus sollte es dagegen sein, die Wohnungsbestände aufzuwerten, um sie besser vermietbar zu machen. "Wir können nicht akzeptieren, dass - wie bei der Marchwitzastraße geschehen - Investoren verprellt werden mit der Begründung, ein Abriss sei vorgesehen", so Wild. Senatsverwaltung und Wohnungsunternehmen haben in erster Linie eine wohnungswirtschaftliche Marktbereinigung im Sinn. Sie machen sich gar nicht mehr die Mühe, die Abbruchpläne städtebaulich zu begründen.
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Entsetzt zeigte sich das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, das nicht eingeweiht war. Die Planungen sprächen "nicht nur den Grundsätzen des Stadtumbaus Hohn", sondern bedienten "die alten Negativklischees gegen die Großsiedlungen", erklärte das Bezirksamt einmütig. Es distanziert sich von den "verantwortungslosen Alleingängen" und fordert von Senator Strieder und der WBG "Klarstellung und endlich ein tragfähiges Rückbaukonzept. Ansonsten stellt sich auch die Frage, ob die Auszeichnung im Stadtumbau Ost überhaupt gerechtfertigt ist."
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Jens Sethmann
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Die WBG Marzahn plant Abrisse im großen Stil:
betroffener Elfgeschosser Niemegker Straße 17-23
Foto: Maik Jespersen
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" Es ist klar: Die Stadt-
entwicklungskonzepte
sind keine Eintagsfliegen."
Bundesbauminister
Kurt Bodewig anlässlich
der
Stadtumbau-Ost-Preisverleihung am
5. September 2002
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