MieterMagazin

 September 2002 - Titel

Stadt-Grün in der Krise

Berlin ist eine grüne Großstadt. Ausgedehnte Volksparks, historische Schlossgärten und Gutsparks, dazu Wasser und Waldgebiete - davon können andere europäische Metropolen nur träumen. Wo sonst gibt es noch mitten in der City unberührte Wildnis, entstanden zu Mauerzeiten an den brachliegenden Bahngleisen? Doch Berlins Grün ist in der Krise. Immer mehr Flächen werden zugebaut. Für Pflege oder gar Neuanlage von Parks steht den Bezirken immer weniger Geld zur Verfügung. Vandalismus und ein verstärkter Nutzungsdruck haben dazu geführt, dass viele Grünanlagen alles andere als angenehme Aufenthaltsorte sind. Konzepte, wie darauf zu reagieren ist, gibt es kaum.

Die Berliner lieben ihre Parks und Plätze, wie eine jüngst veröffentlichte Emnid-Umfrage belegt. Für 84 Prozent der Befragten sind sie das Hauptargument, auch weiter in der Innenstadt zu wohnen. 71 Prozent gaben an, sie würden in die Innenstadt ziehen, wenn Parkanlagen und Grünflächen geschaffen würden. Sich nach der Arbeit in den Park zu setzen, Freunde zu treffen oder die Kinder toben zu lassen, ist ohne Zweifel ein Stück Lebensqualität. Gerade Familien ist das Fleckchen Grün um die Ecke wichtiger als die neueste Ausstellung in der Nationalgalerie. Wer Familien in der Stadt halten will, sollte sich also um das öffentliche Grün kümmern. Oder hat Berlin genug Grün und ist bereits mit den bestehenden Anlagen überfordert, wie manche Fachleute meinen?

"Das Problem ist die ungleiche Verteilung, die innerstädtischen Bereiche sind mit wohnungsnahen Grünflächen unterversorgt", sagt Beate Profé, Referatsleiterin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Ob sich das seit dem Hauptstadt-Boom noch verschärft hat, ließe sich jedoch nicht in Zahlen messen: "Der Grünflächenanteil hat sich trotz gegenteiligem Eindruck nicht groß verändert, es wurden ja keine gewidmeten Grünflächen bebaut, sondern freie Flächen", sagt Profé. Außerdem habe sich qualitativ eine Menge verbessert. "Ob zum Beispiel der Helmholtzplatz vermüllt und unattraktiv ist, so dass er gar nicht genutzt wird oder ob er neu gestaltet und von vielen Menschen besucht wird, spiegelt sich in diesen Zahlen nicht nieder", so die Referatsleiterin. Gerade in der Innenstadt werden jedoch die letzten freien Flächen zugebaut, wie die Auseinandersetzung um das Grundstück in der Friedrichstraße/Ecke Unter den Linden zeigt. In der Kriegslücke war eigentlich eine Grünanlage geplant. Jetzt will der Senat den Platz verkaufen. Ein Hotel soll gebaut werden.

Im Zweifelsfall haben Interessen von Investoren offenbar Vorrang. Geradezu symptomatisch dafür ist das Hick-Hack um das Gleisdreieck. Jahrzehntelang konnte sich auf dem ungenutzten Bahngelände die Natur ungestört entwickeln. Noch vor der Wende entstand die Idee, aus dem 56 Hektar großen Areal mit seiner einzigartigen Vegetation einen Park zu machen.

Für die Natur war die Mauer ein Glücksfall

Obwohl das Gelände dann einige Jahre lang für die Baulogistik des Potsdamer Platzes gebraucht wurde, hielt der Senat daran auch weiter fest. Schließlich wurde das Parkhaus von "Debis" gebaut - genau an der Stelle, die eigentlich als Eingangsbereich zum Park vorgesehen war. Und immer noch ist kein Park in Sicht. Das Geld ist dabei ausnahmsweise gar nicht das Problem. Um die ökologischen Folgen ihrer Bauvorhaben auszugleichen, haben sich die Investoren von Potsdamer und Leipziger Platz nämlich verpflichtet, rund 23 Millionen Euro zu zahlen. Diese Summe liegt bereit. Aber die Eigentümerin des Grundstücks, die Bahn-Tochter Vivico, beansprucht mittlerweile auch Flächen zur Bebauung, die im Flächennutzungsplan als Grün ausgewiesen sind. "Vom Park würde dann nicht mehr viel übrig bleiben", sagt Matthias Bauer, Sprecher der "AG Gleisdreieck", einem Bündnis mehrerer Initiativen. Noch sind die Verhandlungen zwischen Senat und Vivico nicht abgeschlossen, aber im Rahmenvertrag, auf den sich beide Seiten kürzlich geeinigt haben, wurde die Fläche für den Park bereits auf 20 Hektar reduziert. Der Senat habe seine Position nach und nach preisgegeben, kritisiert Bauer. Das Ziel der AG sind mindestens 36 Hektar für den Park. Das Umweltgutachten zur Bebauung des Potsdamer und Leipziger Platzes sieht auch ausdrücklich vor, das Gleisdreieck wegen seiner Bedeutung für das Klima als Kaltluftschneise freizuhalten. Bauer betont: "Wir wenden uns nicht grundsätzlich gegen neue Bauflächen, aber anstatt auf dem Bahngelände zu bauen sollten endlich andere leer stehende Grundstücke ganz in der Nähe bebaut werden, die dem Land Berlin gehören." Besonders empört ist die AG Gleisdreieck darüber, dass der Flächennutzungsplan für den Senat offenbar keine Gültigkeit mehr hat. Dieses Vorgehen sei undemokratisch und ohne gesetzliche Grundlage.

Mehr Erfolg hatte eine Initiative, die sich seit den 80er Jahren für das Schöneberger Südgelände einsetzte. Auf dem Gelände eines ehemaligen Rangierbahnhofs hatte sich dort zu West-Berliner Zeiten ein einzigartiges Biotop entwickelt. Auch hier gab es Bebauungspläne, doch vor zwei Jahren ist das Gelände Naturpark geworden. Die Bahn gab die Fläche frei als Ersatzmaßnahme für Eingriffe beim neuen Lehrter Stadtbahnhof.

Der Naturpark Südgelände bietet seinen Besuchern Naturerleben pur - was man vom Mauerpark nicht gerade sagen kann. Auch dieser neue Park wurde nur möglich durch die besondere Situation Berlins. Auf dem ehemaligen Mauerstreifen spielen heute junge Leute in lauen Sommernächten Theater, machen Musik oder grillen. Keine grüne Idylle, aber eine zeitgemäße Freifläche ist entstanden, "die Fortsetzung des Prenzlauer Bergs mit anderen Mitteln", so ein Autor.

Man sieht: An städtisches Grün werden heute ganz andere Anforderungen gestellt als zu Zeiten der größten Berliner Parkschöpfer Lenné und Meyer. Der Park des 21. Jahrhunderts muss robust sein - und er darf nicht viel kosten. Das Ergebnis könnte dann so aussehen wie der Pallaspark in Schöneberg. Direkt hinter dem mittlerweile "Pallasseum" getauften Sozialpalast wurde letztes Jahr ein Park fertig gestellt. "Uns war von Anfang an klar, dass er einem starken Nutzungsdruck ausgesetzt sein wird, daher wollten wir einen robusten, aber doch individuellen Park", sagt die Landschaftsarchitektin Beatrix Mohren. Eine Art steinerne Schlucht mit Findlingen zieht sich zwischen den Häuserwänden entlang. Mehrere "Nutzungsinseln" bieten Möglichkeiten für ganz unterschiedliche Wünsche: Spiel, Sport, Treff oder auch ruhige Naturbetrachtung. Für ihren Entwurf hat die Landschaftsplanerin nicht nur Zustimmung geerntet. "Manchen ist das wohl nicht heimelig genug, aber ein Park muss zu seiner Umgebung passen", meint sie. Für Mohren, die auch in den Sanierungsgebieten eine Reihe von Plätzen gestaltet hat, ist die enge Abstimmung mit den Anwohnern eine ganz wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Park "funktioniert". Das beschränkt sich nach ihrer Überzeugung nicht auf die Beteiligung bei der Planung. "Wenn eine Anlage fertig ist, fängt es ja eigentlich erst richtig an, man muss auch Wege finden, die Nutzer stärker in die Pflege einzubeziehen", sagt Beatrix Mohren.

Sie hat die Erfahrung gemacht, dass mit einer Fläche anders umgegangen wird, wenn die Anwohner beteiligt werden und beispielsweise die Kinder Spielgeräte selber bemalen oder Pflanzen setzen dürfen. "Bei vielen Grünanlagen, die in den letzten Jahren entstanden sind, tut einem das Herz weh, wenn man deren Zustand betrachtet", meint die Planerin. Das sei nicht nur Vandalismus, zum Teil fehle einfach die Bewässerung. Immer nur mehr Grünflächen zu fordern, helfe daher nicht unbedingt weiter. Beatrix Mohren: "Ich denke, Berlin muss vor allem sicherstellen, wie es nach der Fertigstellung weitergeht mit Unterhalt und Pflege."

Ein Park in Regie der Bewohner

In den seltensten Fällen wird die Einbeziehung der Bürger aber so weit gehen wie in Lichtenrade. Dort gibt es einen 56000 Quadratmeter großen Volkspark, der seit über 20 Jahren von einem Trägerverein in Eigenregie betrieben wird - ein einmaliger Fall in Berlin und wahrscheinlich auch in ganz Deutschland. Jeden Samstag ist Arbeitseinsatz, etwa 15 aktive Mitglieder des Vereins säubern Wege, beschneiden die Sträucher und mähen Rasen. Dass es hier überhaupt einen Park gibt, geht auf die Initiative des Vereins zurück. Nachdem Ende der 70er Jahre die Hochhaussiedlung entstanden war, merkten die Bewohner, dass "hier jede Menge Beton verbaut worden war, das Grün jedoch fehlte", wie Herbert Marker, einer der Aktiven erzählt. Und so wurde auf einer brachliegenden Fläche zu einer ersten Pflanzaktion aufgerufen. Das Gelände, das sich zwischen der Carl-Steffeck-Straße und der Groß-Ziethener Straße an die Siedlung anschloss, war kurzerhand als Park okkupiert worden. Durch ständige Neupflanzungen entwickelten die Anwohner den Park immer weiter. Schließlich gründeten sie 1981 einen Verein und erreichten in zähen Verhandlungen, dass sie 1989 den Pachtvertrag mit dem Land Berlin unterzeichnen konnten. Pacht müssen sie nicht bezahlen, dafür muss der Park der Öffentlichkeit zugänglich gehalten werden. Über Mitgliedsbeiträge und Spenden werden Bänke, Pflanzen und Werkzeuge finanziert. Öffentliche Mittel erhält der Verein nicht. "Das Schlimmste, was dem Bezirk passieren könnte, ist, dass wir alles hinschmeißen", weiß Manfred Könings. Denn die Truppe schrumpft, immer mehr können aus Altersgründen nicht mehr mitarbeiten. Daher werden dringend neue Mithelfer gesucht.

Fazit: Auf der Suche nach neuen Strategien zur Nutzung und Pflege der Grünanlagen führen viele Wege zum Ziel. Einst, zu Zeiten Pücklers und Lennés, besaß Berlin in der Parkgestaltung eine Vorreiterfunktion. Um den heutigen Problemen gerecht zu werden, würde man sich deren Kreativität wünschen.

Birgit Leiß

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Gleisdreieck: Der Jahrzehnte währende Dornröschenschlaf hat eine einzigartige Vegeta-tion geschaffen
alle Fotos: Maik Jespersen

  AG Gleisdreieck
Kontakt: Matthias Bauer
Tel. 2151135
www.berlin-gleisdreieck.de
Führungen über das Bahngelände
jeden Sonntag bis 6. Oktober (außer 29. September).
Treffpunkt: 14 Uhr,
U-Bahnhof Gleisdreieck,
oberer Bahnsteig,
Teilnehmerbeitrag 6 Euro

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  Buchtipps:

Vor Einfahrt Halt.
Der Natur-Park Schöneberger Südgelände in Berlin.
Jaron Verlag, 2000
Berlin Grün.
Historische Gärten
und Parks der Stadt,
Anke Kuhbier,
L&H Verlag, 2000
Hans Stimmann (Hrg.):
Neue Gartenkunst
in Berlin.

Nicolai-Verlag, Berlin 2001

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"Der eingezäunte Park wird kommen"

Die privatrechtlich organisierte, landeseigene Gesellschaft "Grün Berlin Park und Garten GmbH" betreibt unter anderem den Britzer Garten, den Erholungspark Marzahn sowie den Naturpark Schöneberger Südgelände. Daneben plant und realisiert sie öffentliche Freiflächen, wie zum Beispiel den Park auf dem Moabiter Werder oder die Neugestaltung des Bebelplatzes. Das Gespräch mit dem Geschäftsführer der Grün-Gesellschaft Hendrik Gottfriedsen führte MieterMagazin-Mitarbeiterin Birgit Leiß.

MieterMagazin: Gibt es in Berlin genug Grün?

Gottfriedsen: Ich denke, wir haben genug Grün und wir haben auch Anlagen mit einer hohen Qualität. Zum Teil werden sogar Parks gebaut, wo gar kein Bedarf ist, wie die Anlage "Neue Wiesen" in Karow, die kaum genutzt wird. Manche Flächen in der Stadt werden auch geradezu zwanghaft begrünt, ich denke da etwa an die Rosenbeete auf dem Blumberger Damm in Marzahn. Das sind Übertreibungen. Weniger ist oft mehr. Insgesamt muss man jedoch sagen, dass in Berlin unendlich viel richtig gemacht worden ist, was das öffentliche Grün betrifft, ganz im Gegensatz zu anderen Städten.

MieterMagazin: Inwiefern haben sich die Anforderungen an Grünanlagen im Laufe der Zeit verändert?

Gottfriedsen: Die Voraussetzungen, warum wir einmal Volksparks geschaffen haben, gibt es doch gar nicht mehr. Die meisten Leute leben nicht mehr in dunklen, stickigen Wohnungen, sondern haben ihren Balkon. Außerdem habe ich heute viermal so viel Freizeit wie meine Großmutter. Wir müssen uns also die Frage stellen, ob unsere öffentlichen Grünanlagen in der heutigen Freizeitgesellschaft noch up to date sind. Ich bin mir da nicht so sicher. In manchen Volksparks, wie zum Beispiel in der Jungfernheide, finden Sie unter der Woche außer Hundehaltern kaum jemanden. Es gibt heute andere Wünsche an Parks, als gepflegt im Sonntagskleidchen spazieren zu gehen.

MieterMagazin: Welche Konsequenz ergibt sich daraus?

Gottfriedsen: Man muss attraktive, ungewöhnliche Angebote schaffen. Bestes Beispiel ist der Erholungspark Marzahn: Seit der Einweihung des Chinesischen Gartens haben sich die Besucherzahlen verdreifacht. Ein anderes Beispiel für einen gelungenen, zeitgemäßen Park ist für mich der Mauerpark. Durch Zufall entstanden, ist er zwar nicht für alle, aber doch für eine ganz bestimmte Nutzergruppe sehr attraktiv und wird intensiv genutzt, eigentlich nicht als Park, aber als Freiraum.

MieterMagazin: Stichwort Vandalismus: Die Bezirke haben immer weniger Geld, die Schäden zu beseitigen …

Gottfriedsen: Durch die Finanzmisere des Landes und die zunehmende Verslumung der Grünflächen haben wir die Entwicklung, dass private Flächen immer großartiger und gepflegter werden, während der öffentliche Raum Gegenstand von Zerstörung ist. Ich bin mir sicher, die Einzäunung von Parks wird kommen, wie man am Beispiel der USA sieht. In 20, 30 Jahren wird man über die Diskussion, ob man die Hasenheide einzäunen soll, lachen. Die Erfahrungen zeigen, dass Leute bereit sind, für saubere, hundefreie Parks Eintritt zu zahlen.

MieterMagazin: Was halten Sie von einer stärkeren Einbindung von Bürgern bei der Planung und Pflege von Grünflächen?

Gottfriedsen: Ich bin da skeptisch. Das ist ein hehrer Gedanke, aber ich denke, man überfordert die Bürger damit. Die Schwierigkeit ist, dass man Laien anlernen müsste, denn den Leuten nur niedrige Tätigkeiten wie Müll einsammeln zu übertragen, bringt nichts.

MieterMagazin: Welche Rolle spielte das Thema Grün bei der Hauptstadtplanung? Ist es schwierig, Grünanlagen gegenüber den Interessen von Investoren durchzusetzen?

Gottfriedsen: Manchmal unterliegen wir, wie beim Nordbahnhof. Der dort vorgesehene Park wird jetzt kleiner als geplant. Oder die Auseinandersetzung um das Gleisdreieck - man hat eben nicht immer Erfolg. Um so schöner sind Siege wie der Naturpark Südgelände. Insgesamt muss man aber sagen, dass wir im Stadtforum ausreichend Gelegenheit hatten, unsere Position zu vertreten. Die Freifläche am Anhalter Bahnhof zu erhalten, war beispielsweise nicht leicht. Dass der Bezirk dann beschloss, darauf das Tempodrom zu bauen, ist eine andere Sache.

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Hendrik Gottfriedsen, Geschäftsführer von "Grün Berlin, Park und Garten GmbH"

  Grün Berlin
Sangerhauser Weg 1
12349 Berlin
Tel. 70090633
Fax 70090670
www.gruen-berlin.de
E-Mail: h.gottfriedsen @gruen-berlin.de

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Kleine Chronik des Berliner Stadtgrüns

Der erste Berliner Park war der Große Tiergarten. Ursprünglich ein Jagdrevier der Kurfürsten, wurde er ab 1742 von Knobelsdorff zu einer "Schmuckanlage" umgebaut und schließlich 1832 bis 1840 unter dem königlichen Gartendirektor Peter Joseph Lenné zu einem Landschaftspark umgestaltet. Von Lenné, der als wichtigster Landschaftsplaner des 19. Jahrhunderts gilt, stammen auch die Anlagen von Glienicke und der Pfaueninsel. Diese kunstvoll gestalteten Gärten dienten einem kleinen erlesenen Publikum zur beschaulichen Erholung, gepflegten Gesellschaftlichkeit und zur Naturbetrachtung. Mit der Ernennung von Lennés Meisterschüler Gustav Meyer zum ersten städtischen Gartendirektor im Jahre 1870 war eine Zeitenwende verbunden: weg vom königlich-aristokratischen, hin zum bürgerlichen Park. Angesichts der Missstände im Wohnungswesen und einer stark wachsenden Bevölkerung wurde allmählich die Bedeutung von Grün in der Stadt erkannt. Stellvertretend für diese neue Gartenkunst stehen vor allem die ersten Volksparks, so der Friedrichshain, der Humboldthain und der Treptower Park.

Eine stadtgestalterische Spezialität in Berlin sind die Schmuckplätze. Sie wurden in der Phase der explosionsartig ansteigenden Bautätigkeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in großer Zahl angelegt und sollten durch ihren dekorativen Charakter den Wohnwert des Stadtteils erhöhen und gleichzeitig der Bevölkerung als Ruhepunkt dienen. Ein schönes Beispiel ist der Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg. Den Rasen zu betreten war streng verboten, Kinderspielplätze die große Ausnahme. Die Anlagen wurden übrigens bewacht und nachts verschlossen, damit sie nicht "zum Schlupfwinkel für allerhand Gesindel" wurden.

Erst in den 20er Jahren entstanden eine Reihe von Volksparks, die der breiten Masse eine aktivere Nutzung ermöglichten, indem sie Spiel- und Sportstätten integrierten. Viele dieser Parks stammen von Erwin Barth, dem wohl genialsten Gartenkünstler Berlins im 20. Jahrhundert. Er plante aber nicht nur Volksparks wie Rehberge und Jungfernheide, sondern auch begrünte Stadtplätze wie den Karolinger-, den Savigny- oder den Brixplatz, ebenso den Luisenstädtischen Kanal. Seinen sozialen Anspruch formulierte Barth mit den Worten: "Wenn irgendwo eine reiche Ausstattung der Plätze mit verschwenderischer Blumenfülle, mit Brunnen und dergleichen angebracht ist, so ist es da, wo Leute wohnen, die sich keine eigenen Gärten leisten können."

Nach dem Zweiten Weltkrieg richteten sich die Bemühungen in beiden Stadthälften auf die Wiederherstellung und Neugestaltung zerstörter Parks und Stadtplätze sowie auf die Zwischenbegrünung enttrümmerter Flächen. In West-Berlin sorgte ein grünes Notstandsprogramm dafür, dass unter anderem der Tiergarten und der Humboldthain wieder hergerichtet wurden. In den 50er und 60er Jahren hatte sich öffentliches Grün häufig dem Traum von der autogerechten Stadt unterzuordnen. Zahlreiche Parkanlagen wurden zerstört, zum Beispiel der Hohenzollernplatz.

Nach der Wiedervereinigung wurde das Konzept der zwei Parkringe entwickelt, einem inneren und einem äußeren. Die vorhandenen Volksparks, Kleingärten und Friedhöfe sollten durch neue Anlagen ergänzt werden, wie den Mauerpark, das Schöneberger Südgelände oder den Park an der Eldenaer Straße. Durch Grünverbindungen entlang der Flüsse, Kanäle und entlang von Bahnlinien sollten die Parks miteinander vernetzt und die Innenstadt mit dem Umland verbunden werden. Mit dem Neubau des Regierungsviertels entstanden beziehungsweise entstehen mehrere Freiraumprojekte, so der Spreeuferpark auf dem Moabiter Werder oder der neue Leipziger Platz.

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Jeder dritte Quadratmeter ist grün

34,7 Prozent der Gesamtfläche Berlins sind Grünflächen, das heißt Erholungs-, Landwirtschafts- oder Waldflächen. Das Grün ist jedoch sehr unterschiedlich verteilt: Während in Friedrichshain-Kreuzberg der Grünanteil nur 8,9 Prozent beträgt, sind es in Pankow 44 Prozent und im grünsten Berliner Bezirk Treptow-Köpenick sogar 53 Prozent. Es gibt in der Hauptstadt über 2500 öffentliche Grünanlagen und begrünte Stadtplätze mit einer Gesamtfläche von rund 5500 Hektar, wobei Friedhöfe und Kleingärten noch gar nicht eingerechnet sind. Das entspricht 6,1 Prozent der Stadtfläche. Dazu kommen noch rund 400000 Stadtbäume.

Grünflächen sind für die Stadtökologie von unschätzbarem Wert. Sie tragen dazu bei, dass die Luft von Ruß und Staub gereinigt wird, sie sind die einzige innerstädtische Versickerungsmöglichkeit für Niederschläge und sie bieten Tieren und Pflanzen wertvolle Lebensräume.

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