MieterMagazin

 August 2004 - aktuell

Betriebskostenwettbewerb

Drastische Nebenkostensenkungen sind möglich

Im Kampf gegen die Zweite Miete müssen sich die Wohnungsunternehmen mittlerweile einiges einfallen lassen - weniger ihren Mietern zuliebe, sondern vielmehr, um durch ständig steigende Nebenkosten nicht jeglichen Spielraum für Mieterhöhungen zu verlieren. Einige wegweisende Beispiele wurden kürzlich bei einem Betriebskostenwettbewerb der Immobilienwirtschaft ausgezeichnet.

Welcher Mieter würde sich das nicht wünschen: ein Vermieter, der nicht nur regelmäßig sämtliche Verträge mit Versorgern auf Leistungen und Preise prüft, sondern darüber hinaus alle Rechnungen vom Stromlieferer bis hin zur Gartenbaufirma ins Internet stellt? Bei der Wohnungsbaugenossenschaft "Neues Berlin", einem der Preisträger des Wettbewerbs, ist das seit zwei Jahren Praxis. Das Bemühen um mehr Transparenz war bei allen teilnehmenden Wohnungsunternehmen auffällig. Ausgelobt wurde der bundesweite Wettbewerb "Contra 2. Miete" von der Fachzeitschrift "Die Wohnungswirtschaft". Ziel sei es, innovative Ideen zur Senkung der Mietnebenkosten zu würdigen und anderen Unternehmen dadurch Anregungen zu geben, sagte Lutz Freitag, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen und Schirmherr des Wettbewerbs.

Vier der sechs Preisträger sind Berliner Unternehmen, darunter die Wohnungsbaugesellschaft (WBG) Marzahn. Sie wurde für die Weiterbildung von Mitarbeitern zu Betriebskostenberatern und für ihren Betriebskostenbeirat ausgezeichnet. Der Beirat, in dem ausschließlich Mieter sitzen, prüft stichprobenartig die Abrechnungen und kontrolliert den Erfolg von Maßnahmen zur Senkung der Betriebskosten. Außerdem kann er auch selber Vorschläge einbringen, wo noch Einsparpotenziale sind. "Wir lassen uns also bewusst von Mietern auf die Finger schauen und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht", sagt die Sprecherin der WBG Marzahn, Erika Kröber. Erfreuliches Ergebnis aller Einsparbemühungen: Die warmen Betriebskosten konnten im Schnitt von 0,92 auf 0,54 Euro pro Quadratmeter gesenkt werden.Dabei geht es der WBG und dem ehrenamtlichen Beirat nicht nur um eine niedrige Zweite Miete, sondern auch um verständliche, nachvollziehbare Abrechnungen. "Wir haben seitdem erheblich weniger Widersprüche", berichtet Kröber.

Einen beachtlichen Erfolg kann auch die Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg aufweisen, die den zweiten Preis in der Kategorie "Genossenschaften" erhielt. Von 1992 bis 2001 konnte sie die warmen Betriebskosten halbieren: von 1,04 Euro pro Quadratmeter auf 0,51 Euro. Erreicht wurde das vor allem durch Wärmedämmung und moderne Heizungsanlagen. Aber auch die intensive Information der Mieter hat zu einem sparsamen Umgang mit der Heizung beigetragen. Positiver Nebeneffekt: Die Umwelt wird durch geringere CO2-Emmissionen entlastet.

Dass ökologischer Nutzen und Kostenersparnis für die Mieter Hand in Hand gehen können, zeigt auch ein Beispiel aus Wilmersdorf. Dort wird derzeit die größte thermische Solaranlage im europäischen Wohnungsbau gebaut, wie die Wohnungsbaugesellschaft Degewo verkündet. Für dieses Konzept wurde die Degewo kürzlich auf den Berliner Energietagen als "KlimaSchutzPartner des Jahres" ausgezeichnet. Die Mieter sollen für den Klimaschutz nicht tiefer in die Tasche greifen müssen. Weil danach weniger Heizkosten anfallen, wird sich die Mietbelastung insgesamt nicht erhöhen, verspricht die Degewo.

Beim Berliner Mieterverein, wo man es täglich mit fehlerhaften Nebenkostenabrechnungen und überteuerten Wartungsverträgen zu tun hat, wird das Engagement der Vorzeige-Unternehmen mit Wohlwollen betrachtet.

Birgit Leiß

" Wir würden uns wünschen, dass diese Beispiele Schule machen und mehr Licht in das Dunkel der Abrechnungen kommt."
Michael Roggenbrodt, Betriebskostenexperte beim Berliner Mieterverein.

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