MieterMagazin

 August 2004 - aktuell

Artur Brauner und seine Mietshäuser

Der Druck bringt Bewegung

Artur ("Atze") Brauner ist nicht nur ein bekannter Filmproduzent und gern gesehener Gast auf Pressebällen und Promi-Parties, ihm gehören in Berlin auch rund 300 Mietshäuser. Dass dort einiges im Argen liegt, ging kürzlich unter der Überschrift "Brauner lässt seine Häuser verfallen" durch die Presse. Brauner selber spricht unterdessen von einer "Hetzaktion" von ewig nörgelnden Mietern.

"Auf Mängelanzeigen wird praktisch nie reagiert, nicht einmal ein Antwortschreiben bekommt man von der Roseneck-Hausverwaltung", ärgert sich Anne Hoffmann* aus der Droysenstraße 9/Damaschkestraße 10-12. "Wenn eine Scheibe kaputtgeht, kann man sicher sein, dass das jahrelang so bleibt", sagt die Mieterin, die seit 29 Jahren in dem Eckhaus unweit des Kudamms wohnt. Mehrere zerbrochene Glastüren und Fenster im Treppenhaus belegen ihre Aussage. In der Tür zum Innenhof fehlt seit Jahren ein Schloss und seit es 1987 im Fahrstuhl gebrannt hat, weist die Tür in der zweiten Etage deutliche Brandspuren auf. Von den Balkonen bröckelt der Putz, bereits mehrfach sind große Stücke auf die Straße gefallen. "Ich habe der Hausverwaltung die Brocken auf den Tisch gelegt, aber das interessiert die gar nicht", sagt ein anderer Mieter: "Davon, dass Eigentum auch verpflichtet, hat Brauner wohl noch nie etwas gehört."

Viele seien wegen feuchter Außenwände und Schimmel bereits ausgezogen. Die frei werdenden Wohnungen werden über das Sozialamt belegt. Die dadurch entstehenden Konflikte wegen Lärm kümmere die Hausverwaltung nicht, so Anne Hoffmann. "In den letzten zwei Jahren gab es hier 20 Polizeieinsätze, weil große Gruppen von Jugendlichen die ganze Nacht Musik hörten und Krach machten", berichtet die Mieterin. Sie sei zudem mehrfach bedroht und beleidigt worden.

Ähnliche Klagen gibt es auch aus Brauner-Objekten in Neukölln und Schöneberg. Dass an den Häusern nichts gemacht wird, ist zwar nicht neu, verschärft hat sich die Situation aber offenbar, weil der Filmmogul und Immobilienbesitzer bei den Banken hoch verschuldet ist, wie er gegenüber dem Münchner "Merkur" einräumte. In einigen Fällen drohte die Gasag, die Gaslieferung einzustellen. Sogar von Zwangsversteigerung ist die Rede. Die Roseneck-Hausverwaltung lehnte gegenüber dem MieterMagazin eine Stellungnahme ab. Im persönlichen Sekretariat von Artur Brauner war wegen Urlaub niemand zu erreichen.

Beim Berliner Mieterverein ist Brauner indes nicht nur wegen äußerst schleppender Mängelbeseitigung bekannt, sondern auch wegen dubioser Heizkostenabrechnungen. Für viele Häuser wurden so genannte Wärmecontracting-Verträge abgeschlossen. Die mit der Energielieferung beauftragten Firmen stellen extrem hohe Wärmepreise in Rechnung, die die Hausverwaltung wiederum auf die Mieter umlegt. Der Berliner Mieterverein ist derzeit deswegen in einer rechtlichen Auseinandersetzung mit Brauner und bereitet eine Klage vor.

Am Dürerplatz in Friedenau hat sich unterdessen eine Bürgerinitiative zusammengefunden, die gegen die Verwahrlosung ihres Umfeldes kämpfen will. "Die eigenartige Belegungspraxis in dem Braunerschen Haus wirkt sich da sehr negativ aus", sagt Vorstandsmitglied Christian Kühnel. Auch hier werden freie Wohnungen vornehmlich über das Sozialamt an Asylbewerber vermietet - zu einem Mietpreis, der über dem der anderen Mieter liegt. "Häufig sind das Familien mit mehreren Kindern, die in viel zu kleinen Wohnungen leben", sagt Kühnel. Die Überbelegung führe zu Lärm und Schmutz und völlig überlasteten Spielanlagen im Hof. Kein Wunder also, dass der Unmut im Haus wächst. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat den Anwohnern Unterstützung zugesagt. Die zuständige Stadträtin für Gesundheit und Stadtentwicklung, Dr. Elisabeth Ziemer, versprach auf einer Bürgerversammlung, sich dafür einzusetzen, dass das Haus vom Sozialamt nicht mehr belegt wird. "Wir haben natürlich auch das Gespräch mit der Roseneck-Hausverwaltung gesucht, haben aber nur ein dümmlich-arrogantes Antwortschreiben bekommen, das an der Sache völlig vorbeigeht", so Christian Kühnel. Inzwischen kündigte das persönliche Sekretariat im Namen von Artur Brauner an, gegen Stadträtin Dr. Ziemer Strafanzeige wegen "Verleumdung und öffentlicher Darstellung von unwahren Tatbeständen" zu stellen. Dennoch hat die Bürgerinitiative den Eindruck, dass sich allmählich etwas bewegt. Inzwischen fand eine Hausbegehung mit Bauaufsicht, Gesundheitsamt und der Stadträtin statt. Erste Ergebnisse wie die Einzäunung des Vorgartens wurden erreicht. "Ohne öffentlichen Druck passiert eben nichts", meint Kühnel.

Birgit Leiß


* Name von der Redaktion geändert

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Schäden bleiben jahrelang unrepariert: Brauner-Haus in der Damaschkestraße 12-14
Foto: Rolf Schulten

" Wir wünschen den nörgelnden Mietern und sonstigen Meckerern solche Objekte als Hausbesitzer zu haben - das wäre die beste und schönste Strafe."
Aus einem Schreiben des persönlichen Sekretariats von Artur Brauner an Schöneberger Mieter

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