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Die erste stationäre Hausgemeinschaft für pflegebedürftige alte Menschen wurde am 6. Mai im Spandauer "Seniorenzentrum Caroline Bertheau" eingeweiht. Ursprünglich als klassisches Pflegeheim mit 140 Pflegeplätzen geplant, werden dort nun jeweils acht Bewohner in acht wohnlichen Hausgemeinschaften untergebracht. Das Bundesgesundheitsministerium hat dieses modellhafte Projekt mit 2 Millionen Euro gefördert.
"Hier geht die Pflege durch den Magen", beschreibt Rosa Winz, Heimleiterin des Seniorenzentrums, was sich Grundlegendes für Bewohner und Mitarbeiter geändert hat. Die offene Wohnküche ist zentraler Aufenthaltsort der pflegebedürftigen Senioren in der Hausgemeinschaft. Sie nehmen Anteil an der Planung und Zubereitung der Speisen - und auch wer nicht mithelfen will oder kann, sitzt mit am großen Küchentisch. Auch der Wohnraum wird geteilt. Schlafzimmer und Bad sind abgetrennte Einzelbereiche. Ehepaare können aber auch ein Doppelzimmer beziehen. Die Grundidee, so Winz: "Im Mittelpunkt dieser Hausgemeinschaften steht nicht die Pflege, sondern die Gemeinschaft, das gemeinsame Leben." Die 64 pflegebedürftigen und zum Teil auch altersverwirrten Bewohner teilen sich nicht nur acht Hausgemeinschaften. Das Seniorenzentrum Caroline Bertheau verfügt über einen Lebensmittelladen, einen Friseur, eine Diakonie-Station und Räume für kulturelle Veranstaltungen. Im Erdgeschoss befindet sich die Kurzzeitpflege "Lindenhof" für 20 Gäste, außerdem sind 24 seniorengerechte Zweizimmermietwohnungen entstanden. Der Bau erfolgte mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Gesundheit im Rahmen des "Modellprogramms zur Verbesserung der Situation Pflegebedürftiger" unter Beratung des Kuratoriums Deutsche Altershilfe. "In den letzten fünf Jahren haben sich immer mehr Heime für die Betreuung und Versorgung ihrer Bewohner in Normalität und Wohnlichkeit - die vierte Generation des Altenpflegeheimbaus - entschieden", sagt Wolfgang Kern, Sprecher des Evangelischen Johannesstifts Berlin, das die Anlage betreibt. "Die Hausgemeinschaften der ersten Stunde wurden schnell zum Vorbild und deren Träger und Mitarbeiter können sich vor Anfragen zum Erfahrungsaustausch und vor Besuchen kaum retten." Damit alle Interessierten an den Erfahrungen und Entwicklungen der bestehenden Hausgemeinschaften teilhaben können, hat das Bundesministerium für Gesundheit mit Unterstützung des Kuratoriums Deutsche Altershilfe die Dokumentation "KDA Hausgemeinschaften" herausgegeben, in dem auch das Seniorenzentrum Caroline Bertheau ausführlich beschrieben ist. Sie bietet eine Momentaufnahme von 34 Hausgemeinschaften der verschiedenen Typen aus baulicher und betriebswirtschaftlicher Sicht. Der vorliegende Band möchte Vorbilder liefern, es werden aber auch Fehlentwicklungen und Risiken angesprochen. Mit den aufklappbaren Vierseitern pro Einrichtung sollen Planungen unterstützt, Diskussionen angeregt und individuelle Lösungen bei der Entwicklung von Altenhilfeangeboten gefunden werden.
Lars Klaaßen
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