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Kaum ist der Sommer da, pilgern wieder zahlreiche Berliner mit Sack und Pack in die öffentlichen Parks, um dort einer archaischen Leidenschaft zu frönen: dem Brutzeln von Fleisch auf offenem Feuer. Längst ist die Grillleidenschaft nicht mehr auf die türkischen Einwanderer beschränkt. Auch unter jungen Deutschen wird das Grillen immer beliebter - sehr zum Leidwesen einiger Anwohner.
Michael Jürgens stinkt es im wahrsten Sinne des Wortes so gewaltig, dass er die Flucht ergreift, wenn schönes Wochenend-Wetter ansteht. "Wir werden hier mit Grillschwaden eingenebelt, dass man kaum ein Fenster öffnen kann, dazu kommt der Lärm bis tief in die Nacht", berichtet der Anwohner des Kreuzberger Viktoriaparks. Verständnis für die Grillfreunde hat er nicht: "Der Park ist auch für junge Familien zur Erholung da, wer unbedingt grillen will, soll doch ins Umland fahren", meint er. Die meisten würden sowieso mit dem Auto anreisen. In einem dicht besiedelten Wohngebiet seien der Gestank und der Qualm einfach eine Zumutung, insbesondere für Asthmakranke oder Kleinkinder, findet Michael Jürgens. Zu seiner Empörung hat das Bezirksamt vor ein paar Monaten eine offizielle Grillfläche im Viktoriapark eingerichtet. Vorher wurde zwar auch gegrillt, theoretisch war es aber - wie in fast allen Parks - verboten (siehe Kasten). Kontrollen oder gar Bußgelder gab es wie in allen Berliner Parks jedoch nur selten. Die Polizei hat anderes zu tun. Mit der Ausweisung zusätzlicher Grillplätze - so im Neuen Hain, auf der Halbinsel Stralau und auf dem Blücherplatz - soll insbesondere der Tiergarten entlastet werden. Mittlerweile liegen dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg jedoch etliche Beschwerden von Anwohnern vor. Auch die Vermüllung der Flächen habe deutlich zugenommen. Weil angebissene Würstchen einfach ins Gebüsch geworfen werden, haben sich die Ratten vermehrt. "Wir ziehen demnächst Bilanz, möglicherweise wird die Entscheidung wieder zurückgenommen", sagt der zuständige Bezirksbaustadtrat Franz Schulz. Ob legal oder illegal - alle Bezirke beklagen erhebliche Schäden und wachsende Müllberge in den Grünanlagen durch rücksichtslose Griller. Da werden auf der Wiese Lagerfeuerchen gemacht, Zweige von Bäumen zum Anzünden benutzt und überall liegt Müll herum. Praktisch bedeutet dies, dass die Papierkörbe häufiger geleert werden sowie Aschebehälter zum Entsorgen der glühenden Kohle aufgestellt werden müssen. Man hoffe dadurch, etwas Ordnung reinzubringen, heißt es im Pankower Grünflächenamt. Auch im Mauerpark soll demnächst eine Grillstelle ausgewiesen werden. Jana Smolik aus der Gleimstraße glaubt nicht, dass das etwas bringt: "Schon jetzt wandern ab dem frühem Morgen Scharen Grillwütiger in den Park. Ich kann wegen dem Rauch kein Fenster öffnen, geschweige denn den Balkon benutzen. Die ganze Wohnung stinkt wie eine Frittenbude und morgens erwache ich mit fürchterlichen Kopfschmerzen." Grundsätzlich hat die Anwohnerin Verständnis dafür, dass Grillen mit Freunden Spaß macht. "Aber habe ich nicht auch einen Anspruch auf Schutz meiner Gesundheit und unbeeinträchtigtes Wohnen?" Das Problem sei, dass es mittlerweile überhand nimmt. "Vor ein paar Jahren war es noch nicht so schlimm", meint Jana Smolik. Ein Grillverbot, wie es vor einigen Jahren diskutiert wurde, ist derzeit wohl nicht durchsetzbar. "Es verlangt ja auch keiner, alle Hunde abzuschaffen, nur weil viele Hundebesitzer nicht wie vorgeschrieben den Kot wegmachen", empört sich eine Gruppe von Grillern im Görlitzer Park. Nicht alle seien Umweltschweine. "Wir nehmen unseren Müll wieder mit, sogar die Zigarettenkippen", beteuern sie. Fest steht: Der Konflikt hat mit dem zunehmend verantwortungslosen Umgang mit dem öffentlichen Raum zu tun. Ein Patentrezept dagegen hat keiner. Denn wer will schon eingezäunte Parks mit Park-Rangern und Eintritt, in denen alles verboten ist, was Spaß macht?
Birgit Leiß
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