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 MieterMagazin

 Juni/Juli 2005 - Panorama

"Ethnisches Gewerbe"

Von Emma zu Ali

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MieterMagazin 6+7/05
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Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) hat im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts "Zuwanderer in der Stadt" eine Studie zur ethnischen Ökonomie erstellt. Man untersuchte darin das integrative Potenzial und die Funktion ethnischer Ökonomien für die bereits über einen längeren Zeitraum in Deutschland lebenden sowie neu hinzukommenden Migranten, jedoch auch für die im Kiez wohnende deutsche Bevölkerung.

Mit der höchsten Ausländerzahl in Deutschland - circa 440000 aus 184 Ländern - fokussieren sich die in der Studie aufgezeigten Probleme in der Hauptstadt. Jeder achte Berliner ist ausländischer Herkunft. Lediglich circa 12 Prozent der Schüler aus Zuwandererfamilien besuchen ein Gymnasium, bei Deutschen sind es etwa 30 Prozent. Mehr als jeder dritte Ausländer ist zurzeit ohne Arbeit.

Viele Migranten suchen einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit, indem sie eigene Betriebe gründen - vor allem Geschäfte, Restaurants und Imbissstände. Ausländer sind derzeit die aktivsten Firmengründer der Stadt. Allerdings können sich die Unternehmen in der Regel nur dreieinhalb Jahre halten. Bundesweit beschäftigen selbstständige Migranten bis zu 780000 Menschen, der Umsatz ausländischer Unternehmen in Deutschland lag bereits 2001 bei circa 44 Milliarden Euro und ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Ethnische Unternehmen übernehmen für Migranten eine Integrationsfunktion.

Als sich die ersten ausländischen Läden in den Stadtteilen etablierten, hatten sie kaum deutsche Kunden. Inzwischen sind an die Stelle der deutschen vor allem türkische Einzelhändler getreten. Auch diese spüren inzwischen die Konkurrenz der Supermärkte. Das "ethnische Gewerbe" verändert das Gesicht eines Stadtteils, was "je nach Perspektive der Bewohner als eine Steigerung oder aber auch Abwertung der Lebensqualität" gewertet wird. Der Schritt von "Tante Emma" zu "Onkel Ali" fällt auch vielen Berlinern noch schwer.

Die Studie befürwortet eine verstärkte Förderung gewerbetreibender Migranten. Die multikulturelle Ausrichtung Berlins sei ein Standortvorteil, der allen Berlinern zugute komme.

Rainer Bratfisch

Türkischer Gemüsehändler in Prenzlauer Berg: Die Migranten sind Berlins aktivste Existenzgründer
Zur Vergrößerung des Bildes Türkischer Gemüsehändler in Prenzlauer Berg: Die Migranten sind Berlins aktivste Existenzgründer
Foto: Rolf Schulten
roter punkt  Die aktuelle Information
"Von ‚Tante Emma'
zu ‚Onkel Ali' -
Entwicklung der Migrantenökonomie in den Stadtquartieren deutscher Großstädte" ist gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro zu beziehen beim
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