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Der Berliner Immobilienmarkt ist in Bewegung. Die - zum großen Teil selbst verschuldete - finanzielle Schieflage zwingt die Stadt, auch den Verkauf der noch verbliebenen sieben landeseigenen Wohnungsunternehmen zu forcieren. Die GSW soll verkauft werden, Gesobau und Degewo könnten fusionieren.
Als Gesobau-Finanzvorstand Petra Gothe Anfang März auf der Immobilienmesse MIPIM in Cannes über "Wertorientierte Unternehmensführung für Immobiliengesellschaften" referierte, kam sie nicht umhin, neben dem Einsatz so genannter "Werttreiber" auch eine "aktive Desinvestitionspolitik" zu befürworten. Gemeint ist damit schlicht und einfach ein Ausstieg beziehungsweise Rückzug aus dem Markt - eine strategische Option, die bei vorausschauender Betrachtung und guter Planung zwar zur Wertsteigerung eines Unternehmens beitragen kann, jedoch nach wie vor mit dem Stigma des Versagens behaftet ist und auch die bisherigen Strukturen des Unternehmens bedroht. Beinahe zeitgleich legten Hugo Dicke und Hans H. Glismann vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel ein "Privatisierungskataster" als Diskussionsbeitrag zur Sanierung der Berliner Finanzen vor. In Zeiten, da Berlin noch nicht einmal 40 Prozent seiner Ausgaben aus Eigenmitteln decken kann, listen sie akribisch "enorme unausgeschöpfte Wirtschaftlichkeitsreserven" in der Stadt auf. Berlin könne aus eigener Kraft seine Ausgaben um gut 4 Milliarden Euro kürzen - unter anderem durch Trennung von Unternehmensbeteiligungen. Diese Summe erreicht immerhin fast die Neuverschuldung Berlins im vergangenen Jahr und könnte der Stadt eine neuerliche Haushaltssperre ersparen. Auch die kurzfristigen Kosten der Privatisierung von Wohnungsbaugesellschaften wie Degewo und Gesobau werden aufgeführt. Kosten von 36,06 Millionen Euro stehen hier einer Nettoersparnis Berlins von 564,99 Millionen Euro im Falle der Degewo beziehungsweise 491,03 Millionen Euro bei der Gesobau (bei Kosten von 31,34 Millionen Euro) gegenüber. Um der Degewo einen Verkauf zu ersparen, votiert Aufsichtsratsvorsitzender Karl Kauermann zurzeit offenbar für eine Fusion mit der wirtschaftlich gesunden Gesobau. Mit 105000 Wohnungen wäre der neue Konzern die mit Abstand größte Wohnungsbaugesellschaft Berlins. Ein neuerliches In-sich-Geschäft würde der Stadt allerdings wenig bringen, und auch Gesobau-Aufsichtsratschef Horst Föhr wäre schlecht beraten, würde er sich ein defizitäres Unternehmen aufnötigen lassen. Zurzeit werden die Unternehmenswerte ermittelt und "Chancen und Risiken einer möglichen Fusion geprüft", so Gesobau-Vorstand Jürgen Lüdtke. Degewo-Vorstand Frank Bielka rechnet damit, dass im Sommer die ersten Ergebnisse vorliegen. Einen zeitlichen Rahmen will keiner der beiden abstecken. Die neue Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer hat sich zu der Fusion noch nicht geäußert. Die Senatsverwaltung für Finanzen will noch nicht einmal bestätigen, dass es einen Prüfauftrag für eine mögliche Fusion gibt. Auch die Fraktionen von SPD und PDS sind nicht involviert. Die Initiative für eine Fusion soll - zumindest offiziell - von den beiden Unternehmen ausgehen. Im nächsten Jahr werden die Posten der Vorstände von Gesobau und Degewo neu besetzt. Vielleicht heißt das Führungsduo des neuen Megakonzerns "Desobaugewo" dann Petra Gothe und Frank Bielka?
Rainer Bratfisch
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