MieterMagazin

 Juni 2003 - aktuell

Utrechter Platz

Aufwerten durch Abräumen

Während an vielen Stellen in Berlin längst nichts mehr geht, kann man im Quartiersmanagementgebiet Pankstraße im Wedding noch etwas bewegen: Anwohner drängen auf die Umgestaltung eines kleinen Platzes in ihrem Wohngebiet. Der Wunschplan liegt im Großen und Ganzen vor, ein Teil der Gelder ist bereits seit 2002 bewilligt. Doch in Zeiten knapper Kassen wirft nicht allein der Umfang der Maßnahme viele Fragen auf, sondern die Umgestaltung an sich bleibt ziemlich fragwürdig: Der Platz wird nahezu leer gefegt.

Der kleine dreieckige Platz liegt inmitten eines verkehrsberuhigten Wohngebiets an der Ecke Utrechter/ Malplaquetstraße. Keine 20 Jahre ist es her, dass hier alles aufwändig neu angelegt wurde, samt großräumiger Pflasterung, die die Trennung zwischen Fahrbahn und Bürgersteig aufhebt. Eine historische Wasserpumpe, eine Tischtennisplatte und eine Telefonstele stehen in der Mitte - und seit längerem ein ziemlich störender Bauzaun rund um die Überreste einer öffentlichen Toilette. Trotzdem kann man auf den umstehenden Bänken zwischen Bäumen, Hochbeeten und Holzpergolen viele Stunden lang wunderbar sitzen.

Dass dies eine idyllische Sitzgelegenheit ist, hat in den letzten Jahren auch eine Trinkergruppe für sich entdeckt und zu ihrem Lieblingsort erkoren. Wer sich sonst noch dort niederlassen wollte, hat es sich gleich wieder anders überlegt angesichts leerer Büchsen, Flaschen und krakeelendem Geschrei. Selbst nachts kehrte oft keine Ruhe mehr ein. Eine Anwohnergruppe begehrte schließlich gegen die Zustände auf, die Polizei sprach Platzverweise aus und kontrollierte verstärkt (siehe MieterMagazin 10/02, Seite 20: "Kornflasche in der Tüte").

Um das Problem endgültig zu lösen, beschloss die Kiez-AG zusammen mit dem 2002 neu eingerichteten Quartiersmanagement die "Aufwertung und Umgestaltung des Platzes". Es sollte "ein Ort der Kommunikation für alle Bewohner entstehen", so das gesteckte Ziel. Eine Finanzierung von 40000 Euro aus dem Topf "Soziale Stadt" wurde 2002 auch noch sichergestellt, und Studenten der Technischen Fachhochschule Berlin aus den Bereichen Landschaftsarchitektur und Umweltplanung wurden mit Vorentwürfen beauftragt. Doch alle 19 Ergebnisse waren völlig utopisch, sie hätten das Zehnfache in der Realisierung gekostet. Nach mehreren neuen Anläufen mit Abstimmungen, Jurysitzungen unter Beteiligung der Kiez-AG, einem Hauseigentümer, der Hochschule und dem Bezirksamt Mitte gibt es seit April/Mai 2003 einen fachmännisch überarbeiteten Entwurf. Dessen Aufwertung des Platzes besteht darin, ihn abzuräumen: Sämtliche Hochbeete mit Pergolen und Bepflanzungen werden abgerissen, die Tischtennisplatte gleichfalls entfernt, weil sie als Stammtisch für die Bierflaschen gedient hat. Die vorhandene Pflasterung soll gegen holländischen Klinker ausgetauscht, die derzeitigen Sitzbänke durch holländische Sitzelemente ersetzt werden. Da die Straßen der Umgebung niederländische Namen tragen, würde so eine Verbindung assoziiert. Einige neue Bäume sollen in Reihen angepflanzt werden, zwei neue Straßenlaternen werden gewünscht, die Pumpe bedarf der Reparatur.

Der Kahlschlag wird damit verteidigt, dass der Platz übersichtlicher werden soll: "Es gibt keine Rückzugsräume mehr für die Alkoholiker, sie werden sich dort nicht mehr wohl fühlen", erklärt Quartiersmanagerin Sükran Altunkaynak. Baustadträtin Dorothee Dubrau befürwortet den Umbau: "Für mich ist entscheidend, etwas zu schaffen, was aus dem Kiez kommt." Ob das Gesamtpaket finanziert werden kann, ist noch nicht sicher. "Nicht alle Wünsche können erfüllt werden", sagt Ralf Hirsch, der bei der Senatsverwaltung für das Programm "Soziale Stadt" verantwortlich ist. Für das Jahr 2003 seien aber zusätzlich weitere 29500 Euro bewilligt worden. Quartiersmanagerin Altunkaynak hat aktuell nochmals andere Gelder aus dem Programm für Wohnumfeldmaßnahmen (WUM) beantragt. Die holländischen Klinker rücken also vielleicht doch noch in greifbare Nähe, obwohl der Ort Malplaquet keineswegs in Holland, sondern in Frankreich liegt. Baubeginn soll im August sein.

Für die 750 Quadratmeter des Platzes werden große finanzielle Anstrengungen unternommen, während die sonstigen Kassen Berlins eigentlich ausgeräubert sind. Kitas müssen um Malmaterialen kämpfen, Jugendprojekte werden eingestellt, selbst die Kiezläufer, die sich um die Sauberkeit des Viertels kümmern, müssen eingespart werden. Dabei ist gerade das Geld aus dem Programm "Soziale Stadt" nicht an Baumaßnahmen gebunden, sondern flexibel und weitgefächert einsetzbar.

Sabine Schuster

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Ein Kahlschlag soll die Trinkerszene vertreiben: Utrechter Platz in Wedding
Foto: Sabine Schuster

"Sichtbeziehungen werden geschaffen. Der Platz wird lichter und luftiger."
Baustadträtin Dorothee Dubrau

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