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Wer einen alten Dachboden betritt, sollte besondere Vorsicht walten lassen: Das Gebälk könnte mit einem Stoff behandelt sein, der die Gesundheit schädigt - DDT. In der Bundesrepublik seit 30 Jahren verboten, war er in der DDR bis zum Mauerfall zur Insektenbekämpfung frei erhältlich - hochwirksam und hochgiftig. Bündnis 90/Die Grünen fordern jetzt den Senat auf, eine Informationskampagne zu starten.
Holzschutzmittel sollen verhindern, dass sich Insekten durch das Gebälk fressen. Als äußerst wirksames Mittel wurde jahrzehntelang vor allem DDT gehandelt - und eifrig eingesetzt. In der Bundesrepublik wurde die Chemikalie in den 70er Jahren verboten, in der DDR hingegen war ein DDT-haltiges Präparat unter dem Handelsnamen "Hylotox 59" frei käuflich und jedem Hobbyheimwerker zugänglich. Doch macht es nicht nur Insekten den Garaus, sondern wirkt auch auf andere Organismen toxisch. Akute Auswirkungen, die auftreten, wenn der menschliche Körper über Lunge, Mund und Magen unmittelbar mit großen Mengen belastet wird, lassen sich sofort erkennen: Krämpfe, starke Übelkeit, Kopfschmerzen und Muskelzucken. Der Stoff setzt sich darüber hinaus im Körperfett ab: Auch hier kann - wiederum individuell unterschiedlich - häufige Übelkeit, Kopfschmerzen, erhöhte Temperatur oder Haarausfall auf eine Vergiftung hindeuten. Als Langzeitfolgen gelten zudem etwa Leberschäden, Schwächung des Immunsystems und gar Krebs. Bekannt wurde das Problem schon Mitte der 90er Jahre, doch war seinerzeit kaum abzuschätzen, in welcher Größenordnung DDT in Berlin verwendet wurde. Jetzt ist man offenbar weiter: "Per Ministerratsbeschluss", heißt es bei der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, "wurden in den 80er Jahren allein in Prenzlauer Berg 30000 Wohnungen mit der Giftspritze saniert." Dachbalken und Staub auf Dachböden weisen noch immer eine starke Belastung aus. "Unstrittig ist, dass die betroffenen Dachgeschosse saniert werden müssen", heißt es in dem Antrag der Fraktion, "weil sie ständige Emissionsquellen giftiger Stoffe sind." Dies werde aber nur langfristig im Rahmen allgemeiner Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen finanzierbar sein. Bis dahin sei sicherzustellen, dass sie gut gelüftet, zum Obergeschoss isoliert und "nicht ohne entsprechende Vorsorgemaßnahmen betreten werden, damit die Gesundheit der Mieter, Handwerker oder Schornsteinfeger nicht gefährdet" ist. Die Abgeordnetenhaus-Fraktion hat deshalb schon Ende Januar den Senat aufgefordert, "zum besseren Schutz der Mieter sowie von Personen, die berufsbedingt Dachböden betreten", vor den gesundheitlichen Risiken zu warnen. Man forderte zunächst eine "Informations- und Aufklärungskampagne über die von den Holzschutzmitteln ausgehenden Gefahren". Auch solle auf landeseigene Wohnungsunternehmen sowie Eigentümerverbände eingewirkt werden, künftig durch Schilder auf die Kontamination hinzuweisen. Die tatsächlichen Auswirkungen lassen sich indes nur schwer und höchstens im Einzelfall einschätzen. Von Bedeutung ist neben der verwendeten Menge - was sich kaum klären lässt - beispielsweise auch, wie tief der Stoff ins Gebälk eingedrungen ist. Ein weiterer Faktor ist zudem die Raumtemperatur - je wärmer, desto mehr dünstet aus - und das Verhältnis der behandelten Fläche zur Raumgröße - je mehr Fläche in kleinem Raum, desto höher die Giftkonzentration.
alo
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