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Nichts gibt's umsonst - oder doch? Ein neues Konzept versucht jetzt auch in Berlin Fuß zu fassen: der Umsonstladen. Dinge "mit Gebrauchswert" können dort abgegeben werden. Oder auch mitgenommen. Alles ohne Kosten.
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Montagabend, 20 Uhr. Die Läden in Berlin schließen. Auch der Umsonstladen macht um diese Zeit eigentlich dicht. Doch gerade haben zwei junge Leute noch ein paar gepolsterte Stühle vorbeigebracht. "Wohin?" fragen sie. "Die nehmen wir eigentlich nicht", sagt Jens Herrmann - zögert aber, als er die enttäuschten Gesichter der beiden sieht. Und nimmt sie schließlich doch - "ausnahmsweise".
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Jens Herrmann ist einer der Initiatoren dieses Konzeptes für Berlin, das es in anderen Städten wie Hamburg, Bremen und Hannover bereits gibt. Die Idee ist einfach: "Viele Leute haben Dinge, die sie nicht mehr gebrauchen können oder wollen." Sie liegen oft nutzlos herum, weil sie "eigentlich zu schade sind, um sie wegzuwerfen". Wird das Anhäufen zur Last, würden die Sachen dann oftmals doch weggeworfen - einfach, weil man nicht so genau weiß, wohin damit -, obwohl sie intakt sind und für andere noch Gebrauchswert haben. Im Umsonstladen kann man sie abgeben - jemand, der sie gerade gebrauchen kann, nimmt sie mit. Völlig umsonst.
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So stehen in einer Ecke ein paar Kinderski, davor ein Kinderwagen. In dem grob zusammengezimmerten Wandregal liegen Computertastaturen und eine Schreibmaschine, stehen Vasen, Bilder, eine Kaffeekanne. Eine wichtige Einschränkung bei der Annahme gibt es jedoch: Die Dinge müssen funktionieren und für andere einen Nutzwert haben. Wer daran denkt, den Umsonstladen mit Umsonst-Waren zu bereichern, sollte sich immer fragen, "ob das, was er loswerden will, andere wirklich noch gebrauchen können", heißt es auf einem Handzettel. Dann finde sich auch bald jemand, der es benötigt. "Echte Ladenhüter haben wir bis jetzt nicht", so Maurice Schneider, der an diesem Abend Ladendienst hat.
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Der Raum für diesen Warenumsatz bietet derzeit noch Platz, gleichwohl will man ihn nicht mit Sperrgut vollstellen - deshalb die zögerliche Haltung bei der Entgegennahme der Stühle. Doch Haushaltsgegenstände aller Art sind ebenso willkommen wie Bücher, Kleidung oder sonstwie nützliches und leicht transportables Gut. Für die Angebote von eher unhandlichen Stücken gibt es eine Pinnwand.
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"Wir sind aber kein Tauschring", betont Maurice Schneider. Denn wer bei jenem Konzept "viel hat, bekommt auch viel", und wer wenig habe, gehe mit wenig weg. "Bei uns", so Maurice, "bringen die Leute vorbei, was sie nicht brauchen - und nehmen nichts mit, was sie nicht brauchen." Wer aber etwas benötige und es hier finde, könne es mitnehmen.
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Der Laden wurde erst vor gut vier Monaten eröffnet und befindet sich in einem besetzten Haus, weshalb man - anders als beispielsweise in Hamburg, wo es den dortigen Umsonstladen bereits seit 1999 gibt - im Moment die Ladenmiete spart. Geheizt wird mit Holz in einem Kachelofen. Das Gebäude sieht zwar etwas heruntergekommen aus, doch Schwellenangst ist unbegründet. Wer etwas bringt, holt oder einfach nur schauen möchte, wird freundlich empfangen. Die meisten "Kunden" kommen aus der Nachbarschaft, erzählt Jens Herrmann - was sich mit zunehmender Bekanntheit wohl ändern wird. "Genutzt wird das Angebot von allen Bevölkerungsschichten", betont er.
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Ein Kern von drei Leuten, unterstützt von einigen weiteren, teilt sich den Ladendienst - natürlich ehrenamtlich. Man wolle anregen, so Herrmann, "über den Umgang mit Geld und mit Dingen nachzudenken". Auch damit zeige sich, dass "nicht alles, was Wert hat, auch Geld kosten muss". Geöffnet ist zurzeit mangels "Personal" nur einige Stunden an drei Tagen der Woche. Weitere Mitarbeiter sind gern gesehen.
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"Der Umsonstladen", so der Slogan auf einem Handzettel, "gibt vernachlässigten Dingen temporäres Asyl gegen die Verfolgung durch die Müllabfuhr." Und das Konzept geht offenbar auf. So standen auch an diesem Abend noch weit nach Ladenschluss gut ein halbes Dutzend Besucher im Raum - einige brachten, einige holten. Alles umsonst.
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alo
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Ein täglich wechselndes Sortiment: Jens Herrmann
im "Umsonstladen"
Foto: Rolf Schulten
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Umsonstladen,
Brunnenstraße 183,
Berlin-Mitte,
direkt am U-Bahnhof
Rosenthaler Platz,
Tel.: 27594233.
Öffnungszeiten:
Montag und Donnerstag
16 bis 20 Uhr,
Freitag 14 bis 18 Uhr
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Der Web-Tipp
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Kostenlos aus dem Netz
Seit zwei Jahren gibt es im Internet eine Plattform für Dinge, die kostenlos gesucht oder abgegeben werden können: www.alles-und-umsonst.de. Die Idee, so die Initiatoren Uwe Friedrich und Stefan Zimmermann: die Solidarität der Menschen untereinander zu fördern und gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, weil die Müllberge damit reduziert werden. Das sehr übersichtlich gestaltete Angebot gilt bundesweit, unterteilt nach einzelnen Bundesländern und Rubriken: Hausrat, Fortbewegung, Kindersachen und mehr. Bei unserer Stichprobe fanden wir für Berlin beispielsweise auch Pflanzen, Blumentöpfe, viele Umzugskartons, Holz und Kohlen. Ferner werden hier Einrichtungen bis hin zur Schrankwand verschenkt.
alo
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