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Alte Menschen sind bei einem Hausbesitzerwechsel häufig überfordert, wenn Modernisierungsankündigungen und ähnliche Erfreulichkeiten ins Haus flattern, die das Alltagsleben durcheinander bringen. Die nervliche Belastung und die Angst vor Wohnungsverlust kann sogar zusätzlich zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Ein wenig Kulanz seitens des Vermieters, was die Renovierungsfreudigkeit Über-90-jähriger oder die Kündigungsfrist beim Umzug in ein Pflegeheim betrifft - denkt man sich als Normalbürger - sollte doch möglich sein, gerade wenn es sich nicht um eine anonyme Wohnungsbaugesellschaft, sondern um einen privaten Hausbesitzer handelt. Weit gefehlt, wie ein Fall aus Pankow zeigt.
Margarete Kördel ist im Februar dieses Jahres 100 Jahre alt geworden - damit ist sie eines der ältesten Mitglieder des Berliner Mieterverein. Eine vitale Frau: Zwei Weltkriege sowie Beginn und Ende der DDR hat sie erlebt, bis zu ihrem 86. Lebensjahr hat sie noch in ihrem Beruf als Maskenbildnerin beim Fernsehen gearbeitet. Noch mit 99 Jahren hat sie sich komplett selbst um ihren Haushalt in der Binzstraße 48 gekümmert, wo sie seit 1931 wohnte - eingekauft, gekocht, was eben so dazu gehört. Überweisungen und den Schriftverkehr mit der Hausverwaltung übernahm in den letzten Jahren ihre Nachbarin Bärbel Blumenthal, mit der sie seit 1979 engen Kontakt pflegt. Seit einem Schlaganfall im September 2003 ist Margarete Kördel rechtsseitig gelähmt und nicht mehr in der Lage, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Im November zog sie in ein Pflegeheim um, Bärbel Blumenthal wurde zu ihrer gerichtlichen Betreuerin bestellt. Ein Glücksfall für "Kördelchen", wie sie liebevoll von der Nachbarin genannt wird, denn sie hat keine Angehörigen mehr, die sich um anfallende Formalitäten kümmern könnten. Jetzt verlangt die Hausbesitzerin Heike Samel die Ausführung von Schönheitsreparaturen bei Mietvertragsende, wohingegen sie noch im Januar die Absicht geäußert hatte, die Wohnung der älteren Dame mit der Nachbarwohnung zusammenlegen zu lassen und die erforderlichen Bauarbeiten dort bereits im Gange sind. Nicht von ungefähr entsteht so der Eindruck, dass hier Profit aus einem Menschen geschlagen werden soll, der sich auf Grund seines Alters und seines Gesundheitszustandes nicht mehr wehren kann. Unverständlich ist auch auch das Beharren der Vermieterin auf einer dreieinhalbmonatigen Kündigungsfrist, wie sie der Mietvertrag aus dem Jahre 1931 vorsieht - man hätte diese Zeit längst schon für vorgesehene Umbauarbeiten und die Weitervermietung der Wohnung nutzen können. Dies alles geschieht obendrein vor dem Hintergrund einer konsequent betriebenen Vernachlässigung der Vermieterpflichten seit Übernahme der Hausverwaltung im Jahr 1997. So wurde bis heute von der Eigentümerin keine einzige nachvollziehbare Betriebskostenabrechnung vorgelegt und die jährliche Ofenreinigung zahlte Margarete Kördel seit Jahren selbst, um sich Ärger zu ersparen. Für eine Wärmedämmung wurde der Nachweis einer Energieeinsparung nicht erbracht. Gleichwohl verlangte die Vermieterin eine Mieterhöhung nach Modernisierung. Der Keller der langjährigen Mieterin wurde in einen Raum für die Stromzähler umgewandelt - sie war zu schüchtern, um dies zu verweigern und hatte auch Angst, ihre Betreuerin Blumenthal darüber zu informieren, die eventuell noch Widerspruch eingelegt hätte. Die Vermieterin schreckte nicht davor zurück, die alte Dame in den letzten Jahren immer wieder direkt anzugehen, trotz ausdrücklicher Hinweise, dass der Schriftverkehr über die Betreuerin zu führen sei. Bärbel Blumenthal: "Kördelchen stand dann immer ganz verschreckt vor meiner Tür, wenn wieder ein Brief von der Hausbesitzerin gekommen war." Aber die Betreuerin ist eine streitbare Frau, ungerührt kürzte sie für ihren Schützling die Miete im Jahr 2004. Ihrer Wehrhaftigkeit begegnet die Vermieterin mit Beleidigungen: "Ihre Impertinenz ist kaum auszuhalten. Ich wäre begeistert, wenn Sie mir die Anwesenheit in meinem Haus ersparen könnten." Für eine Stellungnahme gegenüber dem MieterMagazin war Eigentümerin Samel bis zum Redaktionsschluss nicht zu erreichen.
Elke Koepping
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