MieterMagazin

 April 2003 - aktuell

Der Web-Tipp

Blick in die Vergangenheit: Berliner Adressbuch 1799 bis 1943 jetzt online

Herr Maier, der im vierten Polizeibezirk lebte, war in einem kreativen Beruf tätig: Er arbeitete als "Musikus". Der Beruf der Damen Marckschöffel und Mangler ist zwar nicht verzeichnet, dafür erfährt der Leser des Berliner Adressbuchs von 1799, dass beide Witwen waren. Ob Herr Martin, der vor mehr als 200 Jahren in Berlin gelebt hat, verheiratet war, ist nicht bekannt. Sicher aber ist, dass er den ehrenwerten Beruf eines Destillateurs ausgeübt hat. Diesen Blick in die Vergangenheit ermöglicht ein Angebot, das die Berliner Zentral- und Landesbibliothek kürzlich ins Internet gestellt hat: Berliner Adressen aus den Jahren 1799 bis 1943 können online recherchiert werden. Auch Hinweise zu Sehenswürdigkeiten, Verkehrsverbindungen, Fahrpreisen oder Grundstücksangeboten sind online verfügbar. Einen Euro je angefangene Stunde kostet der Zugang zum Online-Adressbuch. Die Einnahmen aus dem Angebot werden für zukünftige Digitalisierungsprojekte der Landesbibliothek verwendet.

"Das Adressbuch ist nicht nur für Historiker interessant, sondern für jeden, der an der Geschichte Berlins interessiert ist", meint Annette Gerlach, Leiterin des Digitalisierungsprojekts. Obwohl das Online-Adressbuch erst wenige Wochen zur Verfügung steht, sei das Interesse aus dem In- und Ausland "sehr groß". Besonders "Hobby-Forscher", die sich auf eine historische Spurensuche begeben wollen, würden "reichlich Material finden".

Neben Familiennamen und Berufen sind auch Verbände, Vereine oder Behörden verzeichnet. Schon früher nutzte die Geschäftswelt die Adressbücher der Stadt, um auf ihre Produkte aufmerksam zu machen: Mit dem Slogan "Mehrfach prämiert! Von höchstem Nährwert! Nicht berauschend!" warb eine Brauerei 1903 für ihr Malzbier. Weniger harmlos ist ein Blick in das Verzeichnis der "Ehrenbürger der Reichshauptstadt Berlin" 40 Jahre später. Im Jahre 1943 führte das Adressbuch die Führungsriege der Nationalsozialisten als Ehrenbürger auf.

In einem Verzeichnis der Berliner Straßennamen kann außerdem die Herkunft der Straßennamen und Plätze recherchiert werden. Auch Straßen, die nach 1990 umbenannt wurden, sind alphabetisch aufgeführt. Auf einen Blick lässt sich zum Beispiel nachschlagen, dass die Dorotheenstraße im Bezirk Mitte früher Clara-Zetkin-Straße hieß. Damit musste die Alterspräsidentin des Reichstages (1932) und Begründerin des Internationalen Frauentages einer preußischen Prinzessin weichen.

Volker Engels

zlb.dilib.de

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