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Potsdam-West ist ein weitgehend intaktes Plattenbauviertel: Der Wohnungsleerstand von 0,8 Prozent ist gering, die rund 3100 Bewohner sind laut Umfragen selbstbewusster und zufriedener als jene anderer Neubauviertel. Doch rapider Bevölkerungsverlust und soziale Probleme grassieren flächendeckend. Damit Potsdam-West auch in Zukunft nicht zur Geisterstadt wird, haben 35 Studierende der TU Berlin Pläne entworfen, wie das Quartier umgestaltet werden könnte. Den Bewohnern wurden die Projekte der angehenden Landschaftsplaner in der Ausstellung "Platten und Schlösser" präsentiert.
"Wo ist denn meine Wohnung abgeblieben?", fragt sich erschrocken einer der Anwohner vor den Schautafeln eines der Projekte. Auch der Rückbau ganzer Gebäude oder einzelner Etagen ist Bestandteil einzelner Konzepte. Das Interesse an den Projekten ist groß. Zur Vernissage waren die drei Ausstellungsräume überlaufen. Die Reaktionen der Anwohner schwankten zwischen wohlwollendem Interesse und großer Skepsis. "Den Leuten wurden Pläne zur Veränderung ihrer Heimat präsentiert, so etwas sieht man natürlich nicht immer gerne", erläutert Diplom-Ingenieurin Angela Kauls von der TU Berlin, die das Projekt "Platten und Schlösser" mit initiiert hat. Gemeinsam mit dem Institut für Landschaftsplanung der TU Berlin waren an der Ausstellung die Potsdamer Stadtverwaltung, Stadtkontor (Gesellschaft für behutsame Stadtentwicklung) und Stadtspuren, eine Arbeitsgemeinschaft von sechs Wohnungsunternehmen aus Potsdam, in unterschiedlicher Form beteiligt. Doch trotz dieser imposanten Präsenz gewichtiger Institutionen brauchen sich die Bewohner der Häuser in Potsdam-West auch durch unliebsame Konzepte für ihr Wohngebiet nicht bange machen zu lassen. Was die Studierenden in der Ausstellung "Platten und Schlösser" präsentierten, waren reine Gedankenspiele, die lediglich eine Debatte anregen sollen. Stadtplanerische Schritte stehen derzeit noch nicht auf der Tagesordnung. "Da sind sehr schöne Ideen dabei", freut sich Hiltrud Berndt vom Potsdamer Grünflächenamt. "Die Ausstellung hat bei den interessierten Bewohnern Qualitäten ihres Wohngebiets bewusst gemacht, die bislang nur unbewusst empfunden worden sind." Berndt hat selbst nicht nur zwölf Jahre in Potsdam-West gelebt, sondern vor rund 30 Jahren auch die Grünanlagen des Quartiers entworfen. Dass nun eine neue, junge Generation mit anderen Ideen aufwartet, betrachtet sie mit Interesse. "Die Arbeiten der Studierenden haben für das Wohngebiet einen perspektivischen Wert", sagt Uwe Hackmann vom Stadtkontor. Die Gesellschaft für behutsame Stadtentwicklung hat die Arbeiten der Studierenden fachlich begleitet. Schon die Titel der einzelnen Projekte verdeutlichen, dass bei den Planungen nicht nur Praxistauglichkeit, sondern auch Utopisches Raum erhält: "Postbarocke Wasserstadt" heißt eine der Präsentationen. Es geht nicht darum, verschnörkelte Ornamente an die Plattenbaufassaden zu hängen. "Mit neu angelegten Weg-Achsen und Alleen sollen Bezüge zu Schlosspark und Havel hergestellt werden, zwischen denen sich das Wohngebiet befindet", erläutert Yvonne Schulz, die an diesem Projekt beteiligt war. Wo bislang die stillgelegte Kita steht, soll ein "Bürgerschloss" gebaut werden - ein Bürgertreff mit vorgelagertem "Schlossplatz" als Mittelpunkt der Siedlung. Die Debatte um die Zukunft von Potsdam-West wurde engagiert geführt. Dass die präsentierten Pläne unverbindliche Theorie sind, konnte man angesichts vieler emphatisch geäußerter Meinungen fast vergessen. Aber vielleicht werden die Konzepte eines Tages tatsächlich noch einmal aus der Schublade geholt.
Lars Klaaßen
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