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Hunde - ein Dauerthema in Berlin, meist mit negativem Beigeschmack. Hundekot, gefährliche, auch tödliche Bissattacken, renitente Hundehalter, die keine Regel akzeptieren, bis hin zu einer lahmen Ordnungsmacht, die von verharmlosenden Gerichtsurteilen begleitet wird: Vor diesen Tatsachen läuft eine - mitunter hochemotionale - Diskussion ab, wenn wieder ein Hund zum Angriff übergegangen ist und jeder normale Mensch sich fassungslos fragt: Warum tut niemand etwas dagegen? Was muss denn noch alles passieren! Zurzeit berät man im Berliner Abgeordnetenhaus, wie die Hundeverordnung mit ihrer Rasseliste ("Kampfhundeverordnung") verändert werden muss. Die Grünen wollen verstärkt die Hundehalter in die Pflicht nehmen. Sie fordern einen "Hundeführerschein".
Seit in Niedersachsen die Hundeverordnung, die der in Berlin ähnelt, vom Bundesverwaltungsgericht gekippt wurde, soll hier voraussichtlich in diesem Sommer ein "Gesetz zur Reduzierung von Gefahren durch Hunde in der Stadt" die seit Juli 2000 bestehende Verordnung ablösen. Claudia Hämmerling, tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen, fordert statt einer Rasseliste, dass "jeder Halter eines Hundes, der größer als 40 Zentimeter (Schulterhöhe) und schwerer als 17 Kilo ist, einen Hundeführerschein absolvieren muss". Einheitliche Fragen und Verfahren stellen eine Überprüfung des Hundes und die Sachkenntnis des Besitzers sicher. An belebten Orten in der Innenstadt soll zudem Leinenpflicht bestehen. Aktualität bekamen die Forderungen, als kürzlich wieder in Berlin ein Rottweiler ein Mädchen angefallen hatte. Der Besitzer war laut eigener Aussage von der Reaktion seines Hundes völlig überrascht und ließ ihn einschläfern. Obwohl Rottweiler immer wieder auffällig werden, unterliegt die Rasse, ebenso wie Schäferhunde, nicht der derzeitigen Hundeverordnung. Leinen- und Maulkorbzwang besteht für sie nicht. Laut Senatsverwaltung für Verbraucherschutz sind Hundebisse seit Einführung der Rasseliste um 25 Prozent zurückgegangen. 1301 Hundebisse kamen aber auch noch im Jahr 2001 zur Anzeige - die Dunkelziffer nicht mitgerechnet. Eine aktuelle Vergleichsstatistik für 2002 liegt der Verwaltung nicht vor. "Die Hundeverordnung hat sich im Prinzip bewährt und muss nun in ein Gesetz umgewandelt werden", kommentiert Regina Kneiding, Pressesprecherin der Senatorin Heidi Knake-Werner (PDS) den Rückgang. "Die Liste der gefährlichen Rassen wird vermutlich reduziert, aber generelle Leinenpflicht und Hundeführerschein wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben", ergänzt Kneiding, "die schon bestehenden Gesetze reichen aus." Theoretisch kann ein Hundebesitzer wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft werden. Aber die Berliner Gerichte verhängen bislang vor allem Geldstrafen - und die Verfahren laufen mit großer Verzögerung an. So wurde im Juni 2000 eine Hundebesitzerin erst zwei Jahre nachdem ihr Pitbull einem Mann die Wade zerbissen hatte, zu zwei Monaten und zwei Wochen auf Bewährung verurteilt. Der Mann kann seitdem nicht mehr richtig gehen. Und auch ein Mischlingshund musste erst neun Mal zubeißen, bis er endlich vom Bezirksamt Mitte im Dezember 2002 eingezogen wurde. Dabei war schon seit 2000 bekannt, dass dieser Hund Menschen und Hunde anfällt. Einen zwischenzeitlich verhängten Maulkorb- und Leinenzwang ignorierte die Halterin, die folgende Geldstrafe blieb ohne Wirkung. Ob Justiz, Polizei oder Bezirksämter - gegen aggressive Hunde und ihre Besitzer gehen die Berliner Behörden zögerlich vor. Bernhard Meyer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für das deutsche Hundewesen, hält deshalb wenig davon, "auf Verdacht zigtausende Hundehalter zum Hundeführerschein zu zwingen". Die Behörden müssten auffällig gewordene Hunde schneller sanktionieren. Zudem sei die Hundeführerscheinpflicht nur schwer zu kontrollieren und die Umsetzung schwierig. Claudia Hämmerling sieht dagegen nicht das Problem einer "Überreglementierung". "Man verbietet niemanden etwas. Wer keinen Hundeführerschein absolvieren will, kann einen kleineren Hund wählen. Übergangsfristen von ein paar Jahren sind möglich", hält sie dagegen.
Sabine Schuster
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