MieterMagazin

 März 2004 - aktuell

HOWOGE

Abonnement auf Mieterhöhungen

Dreimal versuchte das Wohnungsunternehmen HOWOGE im vergangenen Jahr die Miete der Eheleute Ilse in der Storkower Straße zu erhöhen. Unberechtigt - wie schnell klar war. In den Jahren davor war die vorherige Vermieterin, die Wohnungsbaugesellschaft Lichtenberg, noch bis vor die Gerichte gezogen - ihre Klagen auf Mieterhöhung wurden indessen abgewiesen.

Familie Ilse wohnt seit 1988 in der Storkower Straße in Lichtenberg. 1996 wurde der sechsgeschossige Plattenbau modernisiert: von der Wärmedämmung bis zum Austausch der Wasserrohre. Aber eine neue Zentralheizung, wo doch seit Jahren eine Fernwärmeversorgung existierte? Neben den Ilses widersprach auch die Mieterin Atizyla Kaiser und zahlte die sich daraus ergebenden Mietzuschläge nicht. Schließlich versuchte die WBG Lichtenberg die aufgelaufenen Mietrückstände einzuklagen. Dr. Hartmut Ilse erinnert sich: "Sie scheiterten damit im August 2000 wegen Verfahrensfehlern vor dem Amtsgericht Lichtenberg und zogen anschließend auch ihre Berufung mangels Aussicht auf Erfolg zurück." Die anderen Mieter der Storkower Straße klärten ihre Ansprüche nicht gerichtlich und zahlten die rund 200 DM mehr Miete.

Im Oktober 2001 versuchte die HOWOGE, die inzwischen die WBG Lichtenberg übernommen hatte, es mit einer Mieterhöhung von über 30 Prozent, die mit dem Mietspiegel begründet wurde. "Die anderen Mieter erhielten die nicht - da soll wohl die von uns nicht gezahlte Modernisierungsumlage wieder reingeholt werden!", empörte sich Judith Ilse. Mit Hilfe des Berliner Mieterverein wurde eine Übereinkunft zwischen Mieter und Vermieter über die höchstzulässige Mieterhöhung von 20 Prozent abgeschlossen.

Im Frühjahr 2002 ließ die HOWOGE erneut Modernisierungsarbeiten an Wasserrohren durchführen, die "aber mehr eine Instandsetzung der mangelhaften Modernisierung von 1996 waren", meint Judith Ilse und ist erleichtert, "dass wir damals die Umlage nicht akzeptiert haben".

Das Jahr 2003 begann für die Eheleute Ilse mit Post von der HOWOGE: eine Mieterhöhung. Wieder wurden Modernisierungsumlagen berechnet. "Diese Berechnungen sind unzulässig!", meinte Marlies Lau vom Berliner Mieterverein. Denn die Ilses bezahlten die zulässige Miete bereits seit einem Jahr. Zwei weitere Mieterhöhungen folgten - und waren ebenso unwirksam.

"In Ihrem Fall lag leider ein Datenfehler vor. Selbstverständlich nehmen wir das Mieterhöhungsverlangen zurück", schrieben darauf die HOWOGE-Sachbearbeiter an das Ehepaar Ilse. Auch die Pressesprecherin Angela Reute bedauert mittlerweile den Vorgang, aber "solche Dinge passieren halt". Der Datenfehler sei jetzt behoben und es wird zu keiner weiteren Mieterhöhung kommen. Diese Zusicherung hatten die Ilses allerdings auch schon nach der vorletzten Erhöhung erhalten. Ohne Nutzen - wie sich zeigte! Sollte diese Vorgehensweise der HOWOGE etwa System haben?

Das Land Berlin, dem die HOWOGE zu 100 Prozent gehört, muss wohl sparen. Aber mit einem Abonnement auf fehlerhafte Mieterhöhungen ist man da wohl nicht auf dem richtigen Weg.

Clara Luckmann

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Musste sich dreimal
gegen unberechtigte Mietforderungen wehren: HOWOGO-Mieter
Dr. Hartmut Ilse
Foto: Kerstin Zillmer

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