MieterMagazin

 Januar/Februar 2002 - aktuell

Cuvry-Hof

Durchgepeitscht

Für Franz Schulz (Bündnis 90/Die Grünen), Baustadtrat von Fried-richshain-Kreuzberg, ist der Cuvry-Hof "ein Glücksfall". Für das rund 10000 Quadratmeter große Karree zwischen Spree, Cuvrystraße und Schlesischer Straße liegt ein Bebauungsplan vor, der nach seiner baldigen Umsetzung den Wrangelkiez beleben und aufwerten wird. So sehen es zumindest das Bezirksamt, die Senatsverwaltung - und natürlich der Bauträger "Wert-Konzept". Eine Anwohner-Initiative freut sich zwar, dass sich der ursprüngliche - heftig umstrittene - Entwurf unter dem Titel "Cuvry-Center" nun endgültig erledigt hat. Doch so ganz glücklich ist man mit der neuesten Entwicklung dennoch nicht.

Auf dem Grundstück sollen zwei rund 150 Meter lange und 30 Meter hohe Gebäuderiegel mit einer Baumasse von rund 49000 Quadratmetern entstehen. Zwischen den Baukörpern im Kontorhausstil wird sich ein begrünter Hof, eine gläserne Eingangshalle an der Schlesischen Straße und eine Freitreppe zur Spree hin erstrecken. Im Vergleich zum ersten Entwurf wirken die Planungen für den Cuvry-Hof wesentlich luftiger. Das ursprünglich anvisierte Center war wegen mehrerer Punkte in harsche Kritik geraten: Der Bau sei zu klotzig, füge sich nicht in die Umgebung ein. Der hohe Anteil an Einzelhandelsflächen gefährde die Geschäfte im umliegenden Kiez. Außerdem führten die vielen geplanten Parkplätze aller Voraussicht nach zu einem überhöhten Verkehrsaufkommen und einer Überschreitung der zulässigen Emissionswerte.

Aus diesen Gründen hatte sich auch Schulz, damals noch Bezirksbürgermeister von Kreuzberg, gegen das Projekt gestellt, während er die zügige Umsetzung des aktuellen Bebauungsplanes nach Kräften fördert. Doch genau damit stößt er auf die Kritik der Anwohner-Initiative. Günther Rohleder, einer ihrer Sprecher, bringt das Unbehagen auf den Punkt: "Im Großen und Ganzen sind wir mit den Plänen ja einverstanden, aber deren Umsetzung wurde urplötzlich forciert, so dass uns die Möglichkeit der Mitgestaltung genommen wurde." Nachdem Bauträger, Bezirk und Senat sich anfangs gesprächsbereit gezeigt hätten, fühle man sich nun übergangen. War die Dialogbereitschaft nur Fassade?

Die Vorlage für den Bebauungsplan, so Rohleder, sei im September des vergangenen Jahres innerhalb von zwei Tagen durch den Bauausschuss gepeitscht worden. Der Anwohner-Initiative erscheint die plötzliche Eile suspekt. Die viel beschworene Bürgerbeteiligung sei nun nicht einmal formal gegeben. Außerdem befürchten die Anwohner, dass einige Teile des Vorhabens nun unter den Tisch fallen. "Da wurde einiges in Absichtserklärungen verpackt, die rechtlich nicht bindend sind", so Rohleder. So wird befürchtet, dass die alte Kastanie auf dem Grundstück dran glauben muss oder dass der geplante Uferweg doch nicht uneingeschränkt öffentlich zugänglich sein wird.

Schulz hingegen sieht keinen Grund zur Besorgnis: "Der öffentliche Uferweg ist fester Bestandteil der Planungen und steht nicht zur Disposition", versichert der Baustadtrat. Bei der Kastanie hingegen liege der Fall etwas anders. Sie könnte von einem bösartiger Pilz befallen sein - ein unabhängiger Gutachter soll nun klären, ob das "Prachtexemplar" noch gerettet werden könne. "Mit der geplanten Bebauung hat das überhaupt nichts zu tun", beteuert Schulz.

Auch für die Eile sieht er gute Gründe: Seitdem feststeht, dass "Universal" den ehemaligen Eierkühlspeicher auf der gegenüberliegenden Spreeseite beziehen wird, gelte es, keine Zeit mehr zu verlieren. Das Unternehmen wird sich dort mit rund 500 Mitarbeitern niederlassen. Auf der Kreuzberger Flussseite hofft man nun auf Nachzugseffekte, die mit dem Neubauvorhaben zu bedienen wären. "Sowohl zur Köpenicker Straße hin, wo bereits viele IT-Unternehmen und Start-Ups sitzen, als auch Richtung Oberbaum-City lässt sich vom künftigen Cuvry-Hof aus ein dynamischer Stadtteil entwickeln, der auch für den Wrangelkiez wichtige Impulse geben kann," prognostiziert Schulz. Rohleder ist da skeptischer: "Vage Hoffnungen auf den großen Boom haben die Verantwortlichen dazu verleitet, das Projekt übers Knie zu brechen - auf Kosten der Anwohner."

Lars Klaaßen

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Bürgerbeteiligung bleibt auf der Strecke: Neubau-Projekt Cuvry-Hof in Kreuzberg
Foto: Rolf Schulten

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